Die telemedizinische Untersuchung des Augenhintergrunds bei Frühchen entwickelt sich zu einem beliebten Thema für die klinische Forschung. Diesmal hat sich eine US-Arbeitsgruppe damit beschäftigt. Sie ging der Frage nach, ob Nicht-Experten nach einer gewissen Schulung die Diagnose einer Frühgeborenenretinopathie (Retinopathia of Prematurity, ROP) genauso sicher stellen können wie Experten, also Augenärzte. Gegenstand der Untersuchung waren 248 Augenhintergrundsaufnahmen von 67 Kindern. Die Bilder wurden mit einer Weitwinkelkamera (RetCam-II von Clarity Medical Systems) aufgenommen. 14 Nicht-Experten und 3 ausgebildete Augenärzte erstellten die Diagnosen, wobei die Nicht-Experten in einem zweistündigen Kurs in die Interpretation der Bilder eingewiesen worden waren. Am Ende waren die Experten besser: Die Sensitivität und Spezifität im Hinblick auf die Entdeckung einer Typ II-Retinopathie lagen bei 95 und 93 Prozent. Nicht-Experten dagegen kamen auf 87 und 73 Prozent. Eine behandlungsbedürftige ROP wurde von den Experten in allen Fällen entdeckt (Sensitivität 100 Prozent). Die Spezifität lag bei 93 Prozent. Bei den Nicht-Experten waren es 88 und 84 Prozent. Fazit: Auch wenn die Diagnose ausgelagert wird, ist der Experte nicht zu setzen. Streng genommen war das auch nicht anders zu erwarten gewesen…

Steven L Williams, British Journal of Ophthalmology, elektronisch vorveröffentlicht 2. Dezember 2009, doi:10.1136/bjo.2009.166348

 

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