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02.08.10

Telemedizin in Ghana

eHealth in Ghana? Das klingt unwahrscheinlicher als es ist, denn obwohl die Computerdichte im Land gering ist, hat fast jeder ein Handy. Welche Möglichkeiten die Telemedizin in Ghana hat und welche Schritte zur erfolgreichen Umsetzung nötig sind, erklärt Prof. Dr. Christian Johner am Projekt „Healthcare IT for Africa“.


Die Handydichte in Ghana ist hoch - eine gute Voraussetzung für die Telemedizin.


Eines der wesentlichen Ziele der nächsten Jahre bestehe darin, in unseren Krankenhäusern jedem Patienten ein Bett zur Verfügung zu stellen, verkündete der stellvertretende ghanaische Gesundheitsminister Dr. Nil Oakley Quaye Kumah. Dieses Ziel allein lässt erahnen, vor welchen Herausforderungen die Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern wie Ghana heute stehen. Ist das eigene Bett überhaupt das vorrangigste Ziel?

 

Zu wenig Ärzte in den Kliniken

Bei unserem Besuch bestätigt sich rasch: Die „gesünderen“ Patienten müssen in der Tat auf dem Boden schlafen. Genauso wie ihre Verwandten, die rund um die „Clinics“ und Krankenhäuser campieren. Doch das mag angesichts der Tatsache zu verschmerzen sein, dass in den „Clinics“, Medizi­nische Versorgungsstationen mit etwa fünf bis 20 Betten, meist überhaupt kein Arzt anwesend ist. Und selbst in Krankenhäusern wie der Klinik in Sewfi, einer Stadt im Westen Ghanas, das für über 180000 Menschen zuständig ist, gibt es nur einen einzigen Arzt. Es sind die Krankenschwestern und -pfleger sowie die „Medical Assistances“, die die wesentliche Last der medizinischen Versorgung leisten. Doch wo sind die Ärzte aus Ghana? Im Ausland, wo sie Arbeitsbedingungen antreffen, die ein Helfen erleichtern, und das auch noch bei besserer Bezahlung. Doch diese Exil-Ghanaer sind ihrem Land noch eng verbunden. Sie möchten helfen. Genau dies will sich das Projekt „Healthcare IT for Africa“ zunutze machen.

 

Nicht jede Technologie funktioniert

Oft mögen Informationstechnologien hilfreich sein, manchmal wirken sie aber einfach nur absurd. Diesen Eindruck erweckt zumindest die Satellitenschüssel mit 1,5 m Durchmesser, die neben einer „Clinic“ aufgestellt wurde. Einer Clinic, in der kein Arzt arbeitet, deren hygienische Bedingungen jeder Beschreibung spotten und in der auch mal ein toter Patient zwischen Wöchnerinnen liegt, weil niemand weiß, was man mit der Leiche tun soll. Und diese Satellitenschüsseln sind nicht die Ausnahme, sondern das Ergebnis einer Initiative mit uns unbekanntem Ziel. Die Abrechnungsdaten werden über diesen Satelliten-Uplink in die Hauptstadt Accra übermittelt, mutmaßen die Mitarbeiter. Das ist auch unwesentlich, wenn man weiß, dass Strom nicht zuverlässig zur Verfügung steht. 

 

Mobilfunk als Schlüssel

Auch das Internet kennt man eher vom Hörensagen als von der täglichen Arbeit. Eine E-Mail zu schreiben, bedeutet für viele Pflegekräfte eine Fahrt in die nächste Stadt, um dort ein Internet-Café zu besuchen. Es gibt zwar kaum Internet, aber eines gibt es fast überall: Mobilfunkempfang. Und fast jeder besitzt ein Handy. Die Pflegekräfte, denen wir auf unserer Reise begegnen, verfügen fast alle über eines.

 

Und jede(r) nutzt es auch für dienstliche Zwecke: Um Patienten, Kollegen oder im günstigsten Fall einen Arzt anzurufen. Dabei müssen die Krankenschwestern und -pfleger diese Telefonate aus der eigenen Tasche bezahlen. Pre-paid ist der Standard. Mobilfunkverträge haben sich bisher noch nicht durchgesetzt.  Wo Internet kaum und Strom nur unzuverlässig verfügbar sind, ergeben PCs wenig Sinn. Bei fast 40°C im Schatten und unerträglich hoher Luftfeuchtigkeit wäre ihnen auch kein langes Leben vergönnt. Somit schätzen wir alle Pläne und Projekte, die auf PCs und Internet setzen, als nur bedingt erfolgreich ein. Der Mobilfunk scheint der Schlüssel zu sein.









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