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12.08.10

OP-Roboter im Einsatz

Grüne Mütze, Mundschutz, Skalpell, Kreuzschmerzen: Das traditionelle Klischee des Chirurgen bekommt durch die Ein­füh­rung moderner OP-Roboter und innovativer Gestensteuerung arge Risse. Im Operationssaal der Zukunft mutiert der Chirurg zu einer Kreuzung aus Pilot und Dirigent.



Im Universitätsklinikum des Saarlandes bekommen urologische Patienten Probleme, wenn sie ihrem Operateur vor dem Eingriff die Hand schütteln möchten. Da Vinci hat zwar eine Menge Arme, aber noch nicht wirklich ein Gefühl für die Konventionen menschlichen Miteinanders. Wie auch, denn Da Vinci ist ein Roboter. Er kann männlichen Patienten die Prostata entfernen, weiblichen Patienten die Gebärmutter. Er kann Nieren und Blasen operieren und auch sonst viele nützliche Dinge tun. Hände schütteln steht nicht in der Arbeitsbeschreibung.

 

Roboter als Zukunft der Chirurgie?

Medizin von morgen? Mitnichten, sagt Professor Michael Stöckle, der Leiter der Klinik für Urologie und Kinderurologie: „Allein an unserer Klinik haben wir schon 1500 Eingriffe mit dem Da Vinci gemacht“. Und Stöckle ist nicht der einzige. Rund dreißig Da-Vinci-Roboter operieren derzeit in diversen urologischen Kliniken in Deutschland. Viel weiter verbreitet ist das Phänomen Da Vinci in den USA, wo sich fast jede minimalinvasive Urologie, die etwas auf sich hält, einen Da Vinci angeschafft hat.

 

Ist die Zukunft der Chirurgie also der Roboter? Stöckle mag den Begriff nicht besonders. Roboter, das klingt so wie eine selbst denkende Maschine, die nach eigenem Gusto handelt, sprich operiert. Davon freilich kann keine Rede sein: „Der Da Vinci macht überhaupt nichts von selbst“, so Stöckle. Er ist eher ein verlängerter Arm des Chirurgen, der bequem an einer Steuerkonsole sitzt und dem Blechwesen die Richtung vorgibt.

 

Vorteile bei minimalinvasiven Operationen
Das hat einige Vorteile: Wer konventionell minimalinvasiv operiert, ist deutlich eingeschränkt. Der Eintrittspunkt der Instrumente in den Körper bildet eine Art Gelenk, das die Bewegungsachsen begrenzt. Beim Roboter ist das anders: Weil dessen Instrumente ferngesteuert werden, hat er bei seinen Bewegungen sämtliche Freiheitsgrade, die ein Chirurg bei einer offenen Operation auch hätte. „Der Chirurg kann bei einer konventionellen minimalinvasiven Operation die Instrumente drehen, kippen und rein- oder rausschieben. Er kann aber nicht ohne Weiteres einen geraden Schnitt von rechts nach links machen“, sagt Ulrich Hagn vom Institut für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

 

Roboter für Herzchirurgie

Mit dem MiroSurge haben die DLR-Wissenschaftler einen OP-Roboter in der Entwicklung, der gerade bei der Messe AUTOMATICA 2010 einen großen Auftritt hatte. MiroSurge verfügt über drei bis fünf Arme. Eine Stereokamera liefert dem Chirurgen am Monitor Bilder aus dem Körperinneren in HD-Qualität.„Unser Fernziel ist die minimalinvasive Herzoperation“, betont Hagn. Das ist insofern anspruchsvoll, als dass das Herz bei minimalinvasiven Eingriffen nicht, wie in der offenen Herzchirurgie, mit kardioplegischer Lösung stillgelegt wird. Es schlägt einfach weiter. Wenige Chirurgen können unter diesen erschwerten Bedingungen bereits heute einfachere kardiochirurgische Eingriffe durchführen. Der Patient braucht dann keine Herz-Lungen-Maschine und ist entsprechend schneller wieder auf den Beinen.

 

Mit einem OP-Roboter dürfte diese Art von schonenden Herzeingriffen technisch wesentlich einfacher werden, hoffen die DLR-Experten: „Ein Roboter lässt sich prinzipiell so steuern, dass die Bewegungen der Roboterarme synchron zu den Herzschlägen erfolgen“, so Hagn. Entsprechende Bildverarbeitungs-Software vorausgesetzt, sähe der Chirurg an seiner Steuerkonsole dann ein ruhendes Herz, obwohl es in Wirklichkeit schlägt. 









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