Für ein Bundesinstitut für Gesundheitstelematik
Die Gesundheitstelematik in Deutschland krankt. Die „Projektitis“ ist zur „Projektose“ geworden, so die Diagnose von Dr. Christoph Goetz und Prof. Dr. Peter Haas. Ein nationales Institut für Gesundheitstelematik könnte Besserung bringen.
"Verbesserte Entscheidungsfindungsprozesse basieren auf jeder Stufe auf Information. Es kann gar argumentiert werden, dass bessere Informationssysteme und bessere Verwendung von Informationen die Grundlagen für jede wirksame Reform von Gesundheitssystemen sind.“ (Coopers & Lybrand 1995)
Wettbewerb im Gesundheitswesen
Auch im Gesundheitswesen ist der Wettbewerb eingezogen und wird bisher vor allem über die Qualität der medizinischen Versorgung, die Professionalität der Organisation und die Individualität der Betreuung entschieden. Zunehmend spielt die Vernetzung und Koordination der Versorger eine Rolle. Neue Vertragsmöglichkeiten wie die der integrierten Versorgung und neue Organisationsformen wie die der Medizinischen Versorgungszentren oder Telebetreuungszentren zeigen diesen Trend zur engeren Kooperation.
Nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung, der Zunahme chronisch Kranker und der Einführung immer neuer diagnostischer und therapeutischer Methoden sind Kooperation und Versorgungssteuerung über Einrichtungsgrenzen hinweg auf Basis neuer Versorgungskonzepte (Stichworte: Case Management, Managed Care, Telebetreuung) zukünftig unabdingbar. Dies gilt auch über den nationalen Kontext hinaus.
Bessere Vernetzung ist gefragt
Nur mit einer besseren IT-gestützten Vernetzung der einzelnen Einrichtungen der nationalen Gesundheitsversorgung im internationalen Verbund können die Zukunftsaufgaben bewältigt werden. Das Eingangszitat bringt dies auf den Punkt.Die gesundheitstelematische Szenerie in Deutschland jedoch ist geprägt von einem nationalen Großprojekt, das bisher keine Durchschlagskraft entwickelt hat und sich nur auf die sichere technische Basis und wenige semantische Aspekte konzentrieren darf sowie von einer Vielzahl kleinerer Projekte und Initiativen, die meist nur kurze Zeit „leben“ und nach Ende der Anschubfinanzierung wieder in sich zusam- menbrechen.
Viel Innovation, wenig Nachhaltigkeit
Jedes eHealth-Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat in den vergangenen Jahren Lösungen entwickelt in der Hoffnung, damit den zukünftigen Markt zu treffen und für sich Umsatz zu generieren. Dabei wurde viel Innovatives, aber wenig Nachhaltiges erzeugt. Viele Projekte brachten zwar positive Effekte in ihrem jeweiligen Umfeld, aber eben nur vorübergehend. Die „Projektitis“ hat sich zur „Projektose“ entwickelt. Sie findet immer weniger Akzeptanz in der allgemeinen Öffentlichkeit und richtet zunehmend wirtschaftlichen Schaden an. Keine Versorgungsinstitution und kein Softwareunternehmen ist heute mehr in der Lage, die notwendige holistische Expertise zu der breiten Themenvielfalt aufzubauen und vorzuhalten – die einschlägigen Standards füllen inzwischen zigtausend Seiten und sind hoch erklärungsbedürftig.
Die Folge sind immer neu erfundene Konzepte und Lösungen, die vorhandene Standards und Vorarbeiten nicht berücksichtigen. So entstehen eben inkompatible Lösungen und Verschwendungen nationaler Ressourcen, was Deutschland zunehmend im internationalen Wettbewerb zurückfallen läßt – viel Geld wurde bereits verbrannt und Humankapital verschwendet.
Insellösungen sind die Folge
Dies hat erkennbare Ursachen: Unternehmen und Projekte definieren aus strategischen Gründen oder der Einfachheit halber Interoperabilität bis heute weitgehend eigenständig und unabhängig von internationalen Standards. Heterogenität auf allen Ebenen ist die Folge. Nach mehr als einer Dekade der Entwicklung der Telematik im Gesundheitswesen ist noch immer kein effektives Zusammenwachsen der Systeme oder der Ansätze zu verzeichnen. Damit wird aber der wesentliche Vorteil jeder Gesundheitstelematik verspielt. Doppelerfassung, Doppelarbeit und Frustration bleiben nicht aus.
Die Folge: Systeme und Einrichtungen bleiben Inseln im Meer der Information. Synergien und neuartige Kooperationsansätze, die aus dem regen und intensiven Informationsaustausch entstehen könnten, bleiben dem Gesundheitswesen versperrt. Die Standardisierungsarbeit in Deutschland bzw. die deutsche Beteiligung an internationalen Aktivitäten beruht im Wesentlichen auf ehrenamtlicher nebenberuflicher Mitarbeit einiger Fachleute und ist nicht institutionalisiert. So bleibt uns nur, das von anderen Ländern Vorgegebene zu akzeptieren und zu übernehmen, wenn wir uns an Standards halten wollen. Man kann unumwunden feststellen: In Deutschland fehlt die ordnende Hand an einer wichtigen Stelle, die für eine prosperierende, sich modern entwickelnde Gesundheitswirtschaft notwendig wäre.
Aus den Unternehmen
Kieferchirurg Christian Hilscher führt eine digitale Praxis. Hier gibt es keine Karteikarten mehr....
Der Theologe Arne Manzeschke plädiert für eine intensive Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen...
Laut Gesetz sei es verboten, Patienten nur über denComputer ärztlich zu beraten, machte Johannes...
Nachrichten für den CIO
-
RSS-Feed
E-HEALTH-COM News









