Die Zukunft der Pharmaindustrie
Statt nur Medikamente zu entwickeln und zu verkaufen, sollten sich die Pharmahersteller überlegen, wie sie mit geänderten oder erweiterten Geschäftsmodellen zusätzlich Umsatz generieren können. So lautet das Fazit diverser Studien, unter anderem von Ernest & Young und der neuen IBM Pharma-Studie “Fade or Flourish – Rethinking the Role of Life Sciences Companies in the Healthcare Ecosystem”. Im Interview mit E-HEALTH-COM berichtet Manuela Müller-Gerndt, Healthcare Leader IMT (Integrated Management Team) IBM Germany, an welchen Geschäftsmodellen Pharmafirmen zukünftig arbeiten müssen.
In der Studie kommen Sie zu dem Schluss, dass die Ära der Blockbuster-Medikamente vorbei ist. Wie können Pharmafirmen heute und in der Zukunft noch Geld verdienen?
Pharmafirmen müssen nicht nur patientenorientiertere neue Therapie entwicklen (personalisierte Medizin) sondern auch Dienstleistungen rund um ihre Medikamente anbieten, um Krankenhäuser, Ärzte, Patienten besser zu unterstützen. Beispielsweise könnte bei bestimmten Krankheitsbildern, wie zum Beispiel Diabetes, mit einem Online-Monitoring unterstützt werden. Wichtig ist, dass diese neuen Produkte und Services es erlauben, die Behandlung von Krankheiten effektiver zu gestalten und die Kosten zu senken.
Die Pharmaindustrie sollte die Zusammenarbeit sowohl intern als auch unternehmensübergreifend verbessern: Eine bessere interne Zusammenarbeit zwischen z.B. Forschung und Entwicklung und Vertrieb und Marketing ist Grundvoraussetzung. Immer wichtiger ist aber die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten im Gesundheitswesen wie Universitäten, Forschungseinrichtungen und auch Krankenkassen sind notwendig, um die Bedürfnisse des Marktes besser zu erkennen und effektiver zu befriedigen.
Die Branche sollte ihre Daten besser analysieren und nutzen. Die Auswertung und richtige Kombination von großen Datenmengen führt zu wichtigen Schlussfolgerungen, die einen substanziellen Mehrwert liefern werden. Das betrifft die Entdeckung neuer Wirkstoffe, Erkennung möglicher Nebenwirkungen, aber auch neuer Wirkungen, und vor allem eine schrittweise Umsetzung einer patentoptimierten Diagnose und Therapie ebenso wie gezielteres Marketing und effizientere Lieferketten. Ein guter Stichpunkt ist hier IBMs revolutionäres Computer-System Watson: IBM Content and Predictive Analytics for Healthcare basierend auf den Inhaltsanalysefunktionen der Watson-Technologie ermöglicht Daten so zu analysieren, dass konkrete Ergebnisse z.B. eine Diagnoseempfehlung möglich sind. Auch die Vorhersage individueller Arzneimittelunverträglichkeiten aufgrund genetischer Ursachen ist mit fortgeschrittenen Analysemethoden möglich.
Ein weiterer Punkt ist die Vertriebsoptimierung, denn der Vertrieb ist im Pharma-Bereich immer noch sehr traditionell geprägt. Das bedeutet, dass sich Pharma-Firmen neben dem Marketing über Außendienst oder Apotheken auch alle neuen Kanäle, soweit möglich, gezielt nutzen müssen (Direktvertrieb, Social Media). Zudem ermöglich diese Multichannelmarketing und die Information aus neuen Kanälen wie dem Web 2.0 neue Chancen, Produkte zu positionieren und Kunden gezielt anzugehen.
Individualmedizin bzw. Individualtherapie im Gegensatz zu Standardisierung ist ein Trend in der Medizin, der uns immer stärker begegnen wird: In der Krebsbekämpfung bedeutet das zum Beispiel, dass auf Basis der persönlichen Krebsgenomen zukünftig individuelle Therapien für eine effektivere Krebsbehandlung entwickelt werden. Gemeinsam mit dem Pharma-Unternehmen Roche entwickelt IBM den DNA-Sequenzer auf Basis von Nanoporen mit dessen Hilfe es zukünftig möglich sein wird, menschliche DNA schneller und effizienter auszulesen- ein Fortschritt auf dem weg zur personalisierten Medizin.
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