Panorama einer (neuen) Medizin?
Personalisierte Medizin / Personalisierte Medizin & Informationstechnologie
Personalisierte Medizin
Wolfgang Niederlag, Heinz Lemke, Olga Golubnitschaja, Otto Rienhoff (Hrsg.)
Health Academy, Band 14
Dresden 2010
25 Euro
Personalisierte Medizin & Informationstechnologie
Wolfgang Niederlag, Heinz Lemke, Otto Rienhoff (Hrsg.)
Health Academy, Band 15
Dresden 2010
25 Euro
Mit gleich zwei Bänden zur personalisierten Medizin macht die kleine, aber feine Buchreihe der „Health Academy“ auf sich aufmerksam. Die Bücher basieren auf zwei Tagungen vom September 2009, dem 17. Dresdner Palais-Gespräch und der Dresdner Tagung „Personalisierte Medizin und Informationstechnologie“. Es wurden aber auch zahlreiche Kapitel extra für die beiden Bände verfasst, ergänzt um weitere Quellen, etwa eine Diskussionsrunde des Deutschen Ethikrats.
Während der erste Band „Personalisierte Medizin“ das Thema in seiner ganzen Breite aufgreift – von der Personalisierung der Diagnostik über die Pharmakotherapie bis hin zu Assistenzsystemen und Transplantaten –, geht es im zweiten Band spezifisch um die Bedeutung der Personalisierung für die Medizininformatik beziehungsweise für eHealth-Anwendungen.
Die Stärke der Bände, das enorme Panorama der Inhalte, ist, wie bei anderen thematischen Readern, gleichzeitig ihre Schwäche. Der Leser stößt auf eine Fülle von Denkanstößen. Eine Antwort auf die Frage, wie sich eine angeblich personalisierte Medizin von dem unterscheidet, was vorher gemacht wurde, erhält er nicht. Die These, wonach Patienten jahrzehntelang nach Leitlinienkochbuch behandelt worden seien, ist schon deswegen falsch, weil Leitlinien ein neues Phänomen sind. Medizin war immer personalisiert. Nur die Kriterien, nach denen personalisiert wird, wandeln sich.
Beim Lesen gewinnt man den Eindruck, dass IT-Experten das besser verstanden haben als andere: Das Neue an der „neuen“ Personalisierung der Medizin sind die sehr viel größeren Datenmengen, mit denen sinnvoll umzugehen ist – sei es bei der molekulargenetisch optimierten Therapie, sei es beim Umgang mit einer Flut von digitalen Bilddaten, sei es bei der Interpretation von Vitalparametern. Ansätze dafür werden in beiden Bänden, vor allem aber im Band 15 vorgestellt.
Insgesamt bekommt man, gepresst in ansprechendes Hardcover, eine Menge Stoff zum Nachdenken für einen äußerst fairen Preis.
(Grätzel)
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