von Einthoven bis Krupp
History of Telemedicine
History of Telemedicine
Rashid Bashshur, Gary Shannon
Mary Ann Liebert Verlag
New York 2009
286 Euro
Der Begriff Telemedizin wurde in den 60er Jahren geprägt. Tatsächlich ist das Konzept aber sehr viel älter. Die Monographie „History of Telemedicine“ trägt diesem Umstand Rechnung: Sie reiht die Telemedizin in die breite Geschichte der Telekommuni-kation und in die Debatten um die Qualität des Gesundheitswesens ein. Ob nun per Feuerketten verbreitete Nachrichten über die Beulenpest als frühe Form der Telemedizin anzusehen sind, sei dahingestellt. Spannend ist das Kapitel über Rauchzeichen, Telegraph & Co in jedem Fall. Und die großzügige Bebilderung dieses Abschnitts lohnt schon alleine den Buchkauf.
Die Autoren haben auch sonst einiges zusammengetragen, etwa einen 1879 im „Lancet“ publizierten Bericht über eine Telekonsultation, bei der der Arzt ein Kind am Telefon husten ließ, um einen Krupp (Diphtherie) auszuschließen. Begründung: Man(n) müsse ja nicht wegen jeder Lappalie nachts das Haus verlassen. Telemedizin im engeren Sinne betrieb dann Willem Einthoven, der Vater des modernen EKG: Im Jahr 1905 übertrug er Herztöne per Telefon. Der uneingeschränkt faszinierenden ersten Hälfte des Buchs folgt eine lange Auflistung nordamerikanischer Telemedizinprojekte ab 1950. Für europäische Leser ist das eher trocken Brot. Infor- mationen zu Telemedizin in der Sowjetunion fehlen leider. Und auch die Wiesbadener Klinik für Diagnostik taucht nicht auf.
(Grätzel)
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