Kolumnen

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Philipp Grätzel
Philipp Grätzel

Mediziner, Journalist, Autor und Redakteur von E-HEALTH-COM



19.11.09

Diagnose: Völliges Desinteresse

Blogbeitrag von Philipp Grätzel



Bei der Medica hat die Bundesregierung in ihrer ersten öffentlichen Stellungnahme nach dem Regierungswechsel ein Bekenntnis zur elektronischen Gesundheitskarte abgelegt. Im Publikum warben einige grummelnde und buhende Ärzte und mehrere mit Plakaten und T-Shirts ausgestattete eGK-Kritiker(innen) eher vergeblich um ähnliche Aufmerksamkeit. Ein paar Stunden später, am Stand des Landes NRW, bot sich ein ähnliches Bild.

 

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl Laumann ließ es sich nicht nehmen, die Plakatträgerinnen direkt anzusprechen. Es sei schon richtig: Wer sage, er wolle die eGK, müsse erklären, wozu sie dienen solle und wie die Sicherheit der Daten gewährleistet werde. Dazu sei er bereit. „Wenn aber von vornherein einfach nur Nein gesagt wird, ist das kein ergebnisoffenes Gespräch“, so Laumann.

 

Das ist schön gesagt, und auch die von Laumann formulierte Einladung an die eGK-Kritiker, zwecks weiterer Diskussionen zum NRW-Standfest zu kommen, war sehr angemessen. Getan haben das nur einzelne. Das ist ok, weil das Standfest abends stattfand. Weniger verzeihlich ist, dass sich die Plakatträger flugs verdünnisierten, als die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach dem Verschwinden Karl Laumanns vom NRW-Stand merklich abkühlte. Denn unmittelbar nach Laumann ging es in einer hochkarätig besetzten Runde um das Thema elektronische Patientenakten und damit um jene Anwendung, die die besten Argumente für die Einführung der eGK liefert.






Kommentare

Peter Haas, 19.11.09 12:56:
Lieber Herr Grätzel, danke für die klaren Worte. Als ich in die belabernde Diskussion an diesem Abend eingriff und an die Ärzte gewandt argumentierte, dass sie gegen Interessen und ärztlichen Ethos verstoßen, wenn sie einerseits bei der Medizintechnik immer das Beste einsetzen (wollen) und bei anderen Verfahren wie der Telematik gegen die Interessen und den Nutzen für die Patienten verstoßen und eben nicht alles tun für das Wohl und die best koordinierteste Versorgung, bin ich von diesen "eGK-Gegnern" wüst beschimpft worden.

Grüße, Peter Haas

Kommentare

Gerhard Schenk, 19.11.09 18:13:
Hallo Herr Grätzel,
durch die unhöflichen Zwischenrufe diese sog. "Basisärzte" während der Veranstaltung auf dem Medica Media Stand, haben diese sich selbst diskreditiert und Gott Sei Dank ins selbstverschuldete Abseits gestellt.
Fundierte fachliche Kritik muss willkommen sein, aber Polemik hat bei diesem sensiblem Thema nichts zu suchen!
Gruß Gerhard Schenk

Kommentare

Johannes Hüsing, 20.11.09 10:56:
Man muß sich diese Müsli-Punker in ihrer esotherischen Aura doch nur einmal anschauen (was recht leicht fällt, treten doch überall immer die selben zehn Gestalten auf...). Denen geht es nicht für fünf Cent darum, ob die Telematik Vorteile oder Nachteile für die Patienten bringt. Die halten per se alles für Teufelszeug, was sie nicht verstehen, und wer sich aber mit Teufelszeug auskennt, dem ist gerade deswegen nicht zu trauen. Ich bin überzeugt, daß mit diesen arm-seeligen Figuren keine Diskussion möglich ist (schon gar nicht ergebnisoffen), sondern daß die beste Taktik hier das aggressive Ignorieren ist. (Und als Veranstalter hätte ich sie im übrigen auch als "Störer" entfernen lassen - viele der wirklich interessierten Anwesenden hätten sicher aufgeatmet.)




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