Kolumnen

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Hans Peter Bröckerhoff
Hans Peter Bröckerhoff

Herausgeber von E-HEALTH-COM



29.05.11

Nischendasein - Der Hauptstadtkongress braucht mehr eHealth-Themen.

Auf dem jährlichen Hauptstadtkongress treffen sich Spitzenkräfte aus den unterschiedlichen Bereichen des Gesund­heitswesens und diskutieren über aktuelle Probleme und künftige Entwicklungen. eHealth-Themen kommen dabei eher nur am Rande vor. Das ist ihrer wachsenden Bedeutung nicht angemessen und sollte sich ändern.



 

 

Es war schon recht imposant. Der riesige Kongresssaal, voll besetzt mit Menschen die, wie der Veranstalter stolz schreibt, „im Gesundheitswesen Rang und Namen haben“. Die Rede ist von der Eröffnungsveranstaltung auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress. Neben mir sitzt der IT-Chef eines großen Gesundheitsunternehmens und wir hören: 8.000 Teilnehmer werden erwartet, 150 Einzelveranstaltungen wird es geben, in denen 500 Referenten mitwirken werden. „Wäre es nicht schön“, flüstert mir mein Nachbar zu, „wenn bei all den Vorträgen und Diskussionen auch die eHealth-Themen eine deutliche Rolle spielen würden?“ Ja, das wäre schön. Und nicht nur das. Es wäre auch notwendig und der wachsenden Bedeutung dieser Themen angemessen.

 

Nun ist es nicht so, dass eHealth-Themen auf dem Hauptstadtkongress gar keine Rolle spielen. In den letzten Jahren gab es durchaus auch Veranstaltungen zu Telemedizin, Vernetzung, Datenschutz, eGK, AAL und anderen eHealth-Themen. In diesem Jahr vielleicht sogar etwas mehr als sonst. Aber zu den großen Themen des Kongresses gehören diese Themen nicht. Sie werden meist in eher kleinen Sessions, vor kleinem Publikum diskutiert. Mehr als 20, 30 oder 40 Teilnehmer haben diese Veranstaltungen in der Regel nicht.

 

Die großen Veranstaltungen, mit teils mehreren Hundert Zuhörern, beschäftigen sich mit anderen Themen. Von der Gesundheitspolitik über die Gesundheitsökonomie, das Krankenhausmanagement, die Versorgungsqualität reichen die Themen bis hin zu Spezialaspekten aus Medizin, Pflege und Krankenversicherung.

 

Wenn es denn richtig ist, dass die Unterstützung der medizinischen Versorgungsprozesse durch IT, die Vernetzung des Gesundheitswesens durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik oder der Einsatz innovativer telemedizinischer Behandlungsmethoden für die künftige Effizienz und Qualität unseres Gesundheitswesens von großer und wachsender Bedeutung sind – und daran gibt es in der eHealth-Community keinen Zweifel –, wenn das also richtig ist, dann sollten diese Themen auch von denen, die „im Gesundheitswesen Rang und Namen haben“ wahrgenommen, diskutiert und verstanden werden. Deshalb gehören auf einem so großen und zentralen Treffen von Spitzenkräften aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens, wie es der Hauptstadtkongress nun mal ist, eHealth-Themen auch in die großen Sessions und Foren.

 

Es sind Klinikmanager, Gesundheitsunternehmer, Wissenschaftler, Ärzte, Pflegemanager und Vertreter von Politik, Verbänden und Medien, die den Hauptstadtkongress besuchen. Vielfach sind es sogenannte Entscheider. Diese Personen sind bei vielen reinen eHealth-Veranstaltungen nur selten unter den Teilnehmern zu finden und ihr oft mangelndes Verständnis der eHealth-Problematiken wird vielfach beklagt.

 

Vielleicht sollten sich viel mehr Vertreter der eHealth-Szene bei den Veranstaltern des Kongresses als Referenten oder Diskutanten bewerben und sich mehr Unternehmen und Organisationen als Partner für einzelne Veranstaltungen zu eHealth-Themen anbieten. Am Verständnis und an der Offenheit der Veranstalter dürfte ein solcher Vorstoß wahrscheinlich nicht scheitern. Darauf deutet jedenfalls ein neues Veranstaltungsformat mit dem Titel „Unternehmensdialog“ hin. Hier unterhielt sich Kongresspräsident Ulf Fink mit dem Telekom-Vorstand Reinhard Clemens über „vernetzte Gesundheit“. Inhaltlich war es eine gute und interessante eHealth-Veranstaltung, nur fand sie eben vor sehr kleinem Publikum statt. Quasi als Experiment hatte man sie parallel zu elf großen Veranstaltungen aus anderen Themenfeldern in einem kleinen, abseits gelegenen Raum stattfinden lassen. Dabei hätte sie ob der möglichen Erkenntnisgewinne, die so mancher Kongressteilnehmer aus dem Gespräch hätte ziehen können, ein großes Publikum verdient. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

 

 

 

Autor: Hans-Peter Bröckerhoff, Herausgeber E-HEALTH-COM






Kommentare

Maria Nadj-Kittler Marketing & PR Direktor, 05.06.11 18:50:
Lieber Herr Bröckerhoff,
Sie haben mir (und der Branche auch) aus dem Herzen gesprochen und ich kann Sie nur beglückwünschen zu diesem kritischen Beitrag!
Viele Grüße
Maria Nadj-Kittler




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