Kolumnen

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Hans Peter Bröckerhoff
Hans Peter Bröckerhoff

Herausgeber von E-HEALTH-COM



23.09.11

Lobbyarbeit - Potentiale von eHealth sind Politikern (noch) nicht bewusst (Kopie 1)

Wenn es um die Lösung der großen gesundheitspolitischen Probleme geht, denken die Politiker selten an eHealth. Das Potential von Vernetzung, Telemedizin und Co. ist ihnen meist nicht bewusst, wenn es um die Vorbereitung und Diskussion von Gesetzen geht. Persönliche Überzeugungsarbeit mithilfe konkreter Beispiele kann hier helfen.



Telemedizin beeindruckt den Minister“, hieß am 1. August die Überschrift eines kleinen Berichts der Schwäbischen Zeitung im Internet. Bei einem Besuch im Ostalb-Klinikum in Aalen waren dem neuen baden-württembergischen Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, drei Telemedizinprojekte des Krankenhauses vorgestellt worden. So weit, so gut. Am 3. August fiel dann die folgende Schlagzeile bei „Bild.de“ ins Auge: „Minister Bonde kritisiert neues Landarzt-Gesetz“.

 

Die Vermutung, dass es zwischen diesen beiden Headlines eine Verbindung gibt, drängt sich auf. Wenn man die Meldung von „Bild.de“ liest, wird der Zusammenhang auch schnell deutlich. Der grüne Landesminister, der übrigens das Gesundheitswesen direkt gar nicht in seinem Verantwortungsbereich hat, kritsiert den vom Berliner Gesundheitsminis­terium vorgelegten Entwurf des Versorgungsstruktur-Gesetzes, das in der Meldung „Gesetz gegen den Ärztemangel im Ländlichen Raum“ genannt wird, unter anderem deswegen, weil „neuere Ansätze, beispielsweise in der Telemedizin, kaum aufgegriffen“ würden.

 

Hier hat offensichtlich die Überzeugungsarbeit der Aalener Krankenhausmanager und Ärzte sehr schnell Früchte getragen. Man könnte das, was dort in der Ostalb bei einem Ministerbesuch geschehen ist, auch erfolgreiche Lobbyarbeit nennen. Nun mag man sagen: Was soll’s! Solche Lobbyarbeit geschieht Tag für Tag. Das würde aber zu kurz greifen; denn hier geht es nicht um die typische Promotion eines Projekts, eines Produkts oder eines Unternehmens. Es geht vielmehr darum, dass einem Politiker der Nutzen von eHealth-Anwendungen generell, hier am Beispiel der Telemedizin, verständlich gemacht worden ist und dieser seine neuen Erkenntnisse dann auch aktiv in die politische Diskussion eingebracht hat. Das geschieht ganz und gar nicht Tag für Tag. Im Gegenteil. Es geschieht viel zu selten. 

 

Nur sehr wenigen Akteuren, die an der Entwicklung, Diskussion und Verabschie­dung von Ge­setzen und Verordnungen beteiligt sind, sind die Vorteile und Potentiale von eHealth bei der Lösung gesundheitspolitischer Probleme wirklich bewusst. Für viele bezeichnen Begriffe wie Telematik, Vernetzung, Digitalisierung oder Telemedizin nur technisches Beiwerk. Diese „eHealth-Sachen“ sind für sie zwar irgendwie modern und wichtig, haben aber doch mit ihrer politischen Arbeit, mit den großen gesundheits- und gesellschaftlichen Fragen nicht viel zu tun – so jedenfalls die häufig anzutreffende Annahme.  

 

Eine intensive Beschäftigung mit dem, was hinter den Begriffen steckt, kann, wie das Beispiel Ostalb-Klinikum zeigt, helfen, das nötige Verständnis zu schaffen. Dort wurde dem Minister nicht nur gesagt: Wir engagieren uns auch für das Zukunftsthema Telemedizin. Dort wurden ihm vielmehr drei konkrete Anwendungen vorgestellt. Die Projekte „Teleprüfung Sturzgefährdung“, „Telekonsultation chronische Wunden“ und „Tele-EKG bei Herz-Rhythmus-Störungen“ waren offensichtlich so spannend und nachvollziehbar Nutzen stiftend, dass sie den Minister „beeindruckten“ und ihm Erkenntnisse für sein politisches Handeln vermittelten. 

 

Eine Lehre aus dieser kleinen Geschichte könnte sein, nicht nur an die Politik zu appellieren oder Forderungen zu stellen, sei es in Briefen, mit Zeitschriftenbeiträgen, auf Veranstaltungen oder in Kamingesprächen. All das ist wichtig und richtig, um das Thema eHealth in den politischen Diskurs einzubringen. Wirksamer aber ist es vielleicht, zusätzlich jede Gelegenheit zu nutzen, um die Vorteile von eHealth-Anwendungen den Politikern konkret und persönlich erfahrbar zu machen. Es wäre schön, wenn tatsächlich Tag für Tag in einer Regionalzeitung von einem Minister oder Abgeordneten berichtet würde, dem eine beeindruckende eHealth-Anwendung vorgestellt worden ist. Denn dann würde sehr viel wirksame Lobbyarbeit gemacht. 









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