
Die eGK säuft ab!
Blogbeitrag von Philipp Grätzel
Schwere See für die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Beim Einsammeln der Bilder durch die Krankenkassen scheint es Probleme zu geben. Was in den nächsten Monaten in Nordrhein passieren wird, weiß vermutlich nicht einmal der umtriebige Gilbert Mohr. Und mehr noch: Die selbst ernannte Anti-eGK-Partei FDP macht mit Blick auf Schwarz-Gelb im Bund unverblümt ihren Anspruch auf das Gesundheitsministerium geltend. Angesichts des Mangels an ministrablen Gesundheitspolitikern in den Unionsparteien nach dem Abgang Horst Seehofers gen Bayern scheint das auch gar nicht so aussichtslos. Säuft die eGK also ab?
Ein Blick auf die Indizien: Als ich vor mehreren Jahren das erste Mal im Zusammenhang mit der eGK Kontakt zu einem Mitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) hatte, wurden positive Artikel, die ich damals zum Thema Datenschutz und eGK geschrieben hatte, in der Luft zerrissen. Als Nicht-Techniker war ich davon durchaus beeindruckt. Vielleicht hatte ich ja irgendetwas falsch verstanden.
Ich lernte dann einen hervorragenden IT-Journalisten kennen, der mir von Veranstaltungen berichtete, bei denen CCC-Referenten zum Thema eGK vom Publikum korrigiert werden mussten, weil sie sachlich falsche Aussagen zur Technik der Karte machten. Vor diesem Hintergrund war ich skeptisch, als bei der Anhörung zur eGK im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags am 25. Mai 2009 ein Mitglied des CCC als Experte zu Wort kam.
Aus den Unternehmen
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Der Theologe Arne Manzeschke plädiert für eine intensive Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen...
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Nachrichten für den CIO
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ich schätze Ihre fachkundigen Beiträge sehr - zuletzt der gute Artikel in der Ärztezeitung über die Karten-Terminals im Basisrollout.
Aber dass die Gematik von sich aus irgendetwas in der Szene bewirken vermag, indem sie sich politisch besser aufstellt, halte ich für einen Trugschluss - und bringt uns nicht weiter. Die Gematik ist und bleibt gefesselt in §295b SGB V und abhängig von den Mehrheiten in der Selbstverwaltung sowie vom BMG.
Wenn wir in Sachen eGK weiterkommen wollen, braucht es eine klare politische Führung und eine ehrliche Projektplanung, die nachhaltig, logisch und konsequent ist. Die in den Anfängen der eGK-Initiative in den Vordergrund gestellte Anwendung eRezept war der größte Fehler im Projekt. Das papierne Rezept funktioniert einfach viel zu gut, als dass man es - wie am Anfang geplant - ratzfatz durch ein eRezept ersetzen kann. Auf dem eRezept beruhte aber die ganze Argumentation mit dem Nutzen für die Patienten mit der Arneimittelsicherheit. Die eGK hätte z.B. "Lipobay" verhindert, waren seinerzeit die Argumente. Mittlerweile ist klar, dass das Muster 16 noch eine ganze Weile keine Konkurrenz von der eGK zu erwarten hat. Damit pausiert auch die AMTS-Anwendung. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen wurde das ganze Projekt downgesized und der Basisrollout ist dabei heruasgekommen. Die Menschen im Lande (Ärzte und versicherte) haben aber immer noch die viel zu hoch zielenden Parolen der letzten fünf Jahre im Hinterkopf. Wir müssen hier klar kommunizieren, dass nach dem Basisrollout, zuerst einmal lange nichts kommen wird, und dann irgendwann, wenn es performant funktioniert, der Versichertenstammdatendienst. Wenn's gut geht, vielleicht in vier Jahren in der ganzen Republik. Und danach sehen wir weiter. Schneller geht das einfach nicht.
Herzliche Grüße aus dem sommerlich warmen Rheinland
Ihr Gilbert Mohr
genau diese Antwort zeigt, wie Recht Herr Grätzel mit seinem Artikel doch hat. Ihre Kritik an der Anwendung eRezept ist absolut berechtigt, wenn ich auch der Meinung wäre, dass hier nachgebessert werden könnte, ohne das Thema gleich aufzugeben. Wenn wir aber nun den Basisrollout mit seiner lächerlich dünnen Funtkionalität schönreden sollen, weil uns nichts Besseres einfällt - dann gute Nacht liebe eGK und "schlucke nicht zu viel Wasser" beim ertrinken.
Ich stimme hier Herrn Grätzel lieber zu und rufe: Fangt endlich anzu strammpeln, in Berlin - es geht um euer Leben. Es finden sich noch ein paar "Charity" Organisationen, die es zumindest anerkennen, wenn man einen Ertrinkenden zu retten versucht.
Lassen Sie uns gemeinsam über einfache, sinnvolle und erreichbare Anwendungen diskuttieren um die eGK zu retten - und vielleicht hilft es beim eRezept ja schon mal mit einem niedergelassenen Arzt, einem Kliniker, einem Apotheker und (!) einem Patienten zu sprechen um eine sinnvolle Umsetzung zu ermöglichen.
Die Hoffnung stirbt zum Schluss!
Ihr
Alexander Ihls
Bevor man absaufen kann, muß man erst mal über Wasser gewesen sein. War die eGK jemals über Wasser? In den bisherigen Pilotversuchen konnten bei dem minimalen Funktionsumfang der Tests kaum etwas gezeigt werden.
Der gute Herr Mohr hat Recht, springt mir aber zu kurz: die Milliardenkosten damit zu begründen, dass es irgendwann (in 4 Jahren?) einen Versichertenstammdatendienst geben wird? So tollkühn wird der oder die nächste Gesundheitsministerin in der jetzigen Finanzlage nicht sein und sich dafür in den Kampf mit der Ärzte-Lobby werfen. Das Probleme der eGK ist doch, dass sie von den direkt Betroffenen eigentlich niemand will: weder die Patienten, noch die Ärzte oder die Krankenversicherungen. Okay, die Kartenhersteller und Herrn Dr. Dietzel, den Vater der eGK, habe ich vergessen. Erste Verzweifelte wie Siemens haben sich ganz abgemeldet, selbst den Konnektor hat man eingestampft. Und die Politik hat bei der eGK das gemacht, was sie gerne tut: Overselling. Die möglichen Vorteile überzeichnen, unrealistische Zeitpläne vorgeben und die Kosten unterschätzen.
Auch ich finde, dass die alte KVK ausgedient hat, schließlich ist auf ihr noch nicht mal das Geschlecht gespeichert (wohl ein frühes Opfer des Datenschutzes). Ein neues System ist nur dann sinnvoll, wenn es für alle Betroffenen, vor allem Ärzte und Patienten, VORTEILE und nicht nur Kosten und Aufwände bringt. Mit einem Versichertenstammdatendienst allein ist keine Begeisterung zu entfachen (bei wem auch). Es fehlen Killer-Applikation, mit denen man die Betroffenen begeistern kann.
Solange man keine derartigen Anwendungen gefunden hat, sollte man das jetzige Gewurschtel besser stoppen trotz der Millionen, die es schon verschlungen hat. Besser ein Ende mit Schrecken …
Mathias Blaurock
Tübingen
Heute funktioniert das System weitgehend einwandfrei, spült Geld in die Kasse der Allgemeinheit, hat Arbeitsplätze geschaffen, etc.
Ob die eGK nun mit kleinem oder mit großem Funktionsumfang ausgerollt wird, ob es in diesem Jahr oder im nächsten geschieht - das alles spielt keine Rolle. Sie wird kommen, weil es politisch nicht mehr anders geht, und in ein paar Jahren wird sie unser aller Alltag sein und niemand wird sich noch darüber aufregen.
Das System ist aus Sicht des Datenschutzes sicher genug - jedes Argument hiergegen ist vorgeschoben (weil man keine Ahnung hat) oder Panikmache (weil man keine Argumente UND keine Ahnung hat).
Ich bin überzeugt: der Appetit wird beim Essen kommen - wenn die Basisinfrastruktur erstmal vorhanden ist, werden weitere Anwendungen wie die Pilze aus dem Boden schiessen.
In diesem Sinne: bleibt locker Freunde - und immer ganz entspannt durch die Hose atmen...
H.W.