
Dialog der Welten - Medizintechnik und eHealth
Es wird immer deutlicher, dass es zwischen Medizintechnik und eHealth zunehmend mehr Berührungspunkte und Verbindungen gibt. Eine gemeinsame Themen- und Diskussions-Welt der Medizintechnik-Branche und der „klassischen“ eHealth-Community scheint es allerdings oft noch nicht zu geben.
Es sind doch noch zwei Welten“, dachte ich, als ich mich im gut gefüllten Konferenzsaal des Steigenberger Airport Hotels in Frankfurt umsah. Fast kein mir bekanntes Gesicht war unter den Teilnehmern der Veranstaltung – immerhin einer Konferenz, die den Begriff „eHealth“ im Titel trug, bundesweit ausgeschrieben war und von einem renommierten Verband organisiert wurde. Es war die 13. eHealth-Konferenz des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed), die sich Ende Februar vor allem mit dem Dachthema „Optimierung der Prozesse zwischen Krankenhäusern und Lieferanten durch elektronische Kommunikation“ beschäftigte.
Die „zwei Welten“, die der Medizintechnik und die der Health IT, Gesundheitstelematik und Telemedizin, die „klassische“ eHealth-Welt sozusagen, haben zunehmend Berührungspunkte, Überschneidungen und Verflechtungen. Aber so richtig in einem gemeinsamen Diskussionsprozess verbunden sind sie (noch) nicht. Das wurde auch bei der BVMed-Veranstaltung deutlich. Auf der einen Seite beschäftigte sich der Großteil der Vorträge, dem Konferenzthema folgend, mit Fragen der Logistik und der Verbesserung des Technik- und Materialeinkaufs der Krankenhäuser – und zwar vornehmlich aus betriebswirtschaftlicher und technischer Sicht. Auf der anderen Seite gingen einige Referenten (die zu den wenigen „bekannten Gesichtern“ aus der „klassischen“ eHealth-Welt gehörten) auf die Vernetzung der medizinischen Versorgung ein und auf das Zusammenspiel von Medizintechnik und Health IT. Eine wirklich gemeinsame Themen- und Diskussions-Ebene schien hier noch nicht zu bestehen.
Umso interessanter war dann der letzte Vortrag der Veranstaltung, in dem der Vorstandsvorsitzende des BVMed, Dr. Meinrad Lugan, die künftige Entwicklung zu einer vernetzten Gesundheitsversorgung beschrieb. Er tat das mit viel Enthusiasmus und einem solchen Nachdruck, als wolle er den anwesenden Vertretern seiner Mitgliedsunternehmen empfehlen, sich stärker mit diesem Zukunftsthema zu beschäftigen, und als wolle er die Mitglieder der „klassischen“ eHealth-Welt zum verstärkten Dialog einladen. So kam die Botschaft seiner Rede zumindest bei mir an und veranlasste mich dazu, direkt ein Interview mit ihm für eine der kommenden Ausgaben von E-HEALTH-COM zu vereinbaren.
Nun ist es nicht so, dass unser Magazin nicht schon seit Längerem immer wieder auch die Thematik Medizintechnik und IT behandelt. In dieser Ausgabe sind es sogar zwei große Beiträge, die sich mit diesem Themenbereich beschäftigen (siehe Seiten 22 und 28). Und mit dem VDE und dem ZVEI berichten zudem auch schon zwei Institutionen, die das Thema eHealth stark aus der Sicht der Medizintechnik betrachten, auf unseren Verbandsseiten regelmäßig über ihre Aktivitäten.
Mehr Dialog und eine noch stärkere Beschäftigung mit den Auswirkungen der eHealth-Entwicklung auf die Medizintechnik und den Anforderungen der Medizintechnik an die eHealth-Diskussion sind dennoch sinnvoll und notwendig. E-HEALTH-COM wird sich deshalb der Thematik noch stärker zuwenden – mit dem angesprochenen Interview, einer öffentlichen Diskussionsrunde auf der diesjährigen conhIT, die in der nächsten Ausgabe dokumentiert werden wird, und mit vielfältigen weiteren Beiträgen.
Wichtig erscheint dabei, weiter zu gehen, als es bisher bei der Beschäftigung mit dem Thema meist geschieht. Der Blick richtet sich oft nur auf die Vernetzung und ihre Auswirkungen. Die Medizintechnik als solche und die einzelnen Produkte bleiben dabei aus eHealth-Sicht meist „Fremdkörper“. Es dürfte sich lohnen diese Produkte an sich, mit ihrer Vernetzbarkeit und Vernetzungsnotwendigkeit, zu betrachten – und vor allem mit ihrem Beitrag zur Optimierung der Versorgungsprozesse. Eine solche Herangehensweise an die Diskussion könnte dazu beitragen, dass sich die Frage der „zwei Welten“ irgendwann gar nicht mehr stellt.
Autor: Hans-Peter Bröckerhoff, Herausgeber E-HEALTH-COM
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