Telemedizin: DGTelemed veröffentlicht Positionspapier
Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) hat anlässlich eines Gesprächs mit Vertretern des Gemeinsamen Bundesausschusses ein Positionspapier zur nachhaltigen Anwendung von Telemedizin veröffentlicht. Festgestellt wird, dass es in Deutschland inzwischen viele Projekte gibt, die den medizinischen und teilweise auch ökonomischen Nutzen beim Einsatz von Telemedizin nachgewiesen haben.
Problematisch ist laut DGTelemed die Tatsache, dass es nach Abschluss eines Projekts meist nicht gelingt, dieses in den medizinischen oder klinischen Regelbetrieb zu überführen. Hier sind Politik und Selbstverwaltung gefragt, Strukturen für die Finanzierung telemedizinischer Leistungen zu schaffen bzw. die bereits gegebenen Möglichkeiten umzusetzen.
Telemedizinische Innovationen kommen in Deutschland nur mit Schwierigkeiten in die Erstattungssysteme der Krankenversicherungen. Gründe dafür liegen in der eher innovationsunfreundlichen Ausgestaltung und starken sektoralen Abschottung der Vergütungssysteme. Die DGTelemed sieht Handlungsbedarf insbesondere in der Umsetzung nachfolgender Thesen und Forderungen:
- Bund und Länder müssen versorgungspolitische und institutionelle Strukturen schaffen, um innovative Versorgungskonzepte – und damit auch Telemedizin – schneller umsetzen zu können. Um der Bevölkerung den zeitnahen Zugang zu Innovationen zu ermöglichen, ist eine Weiterentwicklung der Innovationsfinanzierung notwendig. Es ist zu prüfen, inwieweit die bisherige Überleitungsstrategie den aktuellen Anforderungen gerecht wird.
- Der Handlungsrahmen des SGB V ist für Telemedizin grundsätzlich ausreichend. Auch in anderen Regelwerken (MBO‐Ä) gibt es keine prinzipiellen Hürden. Es können also Voraussetzungen definiert werden, die für eine Aufnahme evaluierter telemedizinischer Anwendungen in die Regelversorgung notwendig sind. Beispiele auf Landesebene gibt es bereits.
- Die demographische Entwicklung führt zu neuen Herausforderungen in der ambulanten haus‐ und fachärztlichen Versorgung. Die Versorgung der Bevölkerung gerade in strukturschwachen bzw. ländlichen Regionen braucht daher neue Konzepte für medizinische Leistungserbringung.
- Eine bundesweit einheitliche Telematikinfrastruktur ist unerlässlich. Ein schneller, systematischer und sicherer Informationsfluss zwischen Beteiligten im Gesundheitswesen ist notwendig und in der Zukunft unentbehrlich. Die Bundesregierung muss hierzu den Rahmen setzen, in dem sich neue Geschäftsmodelle entwickeln können.
- Zur Etablierung von Telemedizin ist es unabdingbar, qualitative und prozessuale Standards zu schaffen, die von allen Akteuren anerkannt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin favorisiert deshalb eine gemeinsam alle Anbieter umfassende Zertifizierungsstrategie.
- Die Aus‐, Fort‐ und Weiterbildung des medizinischen Fach‐ und Pflegepersonals sollte in den unterschiedlichen Bildungsgängen auch Grundlagen der Informations‐ und Kommunikationstechnologien aufnehmen. Telemedizinische Lehrinhalte sollen sich an alle Berufsgruppen richten und nach definierten Standards angeboten werden. Telemedizin muss Gegenstand der medizinischen Lehre werden.
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