09.08.10

NRW: Online-Patientendokumentation soll Palliativversorgung verbessern



Die Verbesserung der ambulanten Versorgung von sterbenskranken Menschen durch eine internet-basierte Patientendokumentation hat sich eine Expertengruppe der ambulanten Palliativversorgung in Nordrhein- Westfalen zum Ziel gesetzt. Die Initiative, die sich nun in Münster zusammengefunden hat, arbeitet unter dem Projektnamen "Informationssystem palliativecare.nrw" und wird vom Land Nordrhein-Westfalen für zwei Jahre gefördert.

 

„Um die Betreuung schwerstkranker Patienten in ihrer Lebensendphase effizient zu gestalten, ist von Pflegekräften, Ärzten, Hospizdiensten und ehrenamtlichen Mitarbeitern eine intensive und kreative Zusammenarbeit erforderlich“, sagt Projektleiter Thomas Althoff von der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Zur Unterstützung der Versorger bei ihrer täglichen Arbeit kann ein webbasiertes Patientendokumentationssystem wertvolle Dienste leisten.“

 

An dem Projekt sind zahlreiche Experten der ambulanten Palliativversorgung, darunter Praktiker verschiedener Palliativnetze in Bielefeld, Bochum und Münster, Mitarbeiter aus dem Hospizbereich, Versorger aus Dresden und Offenbach, Vertreter des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes sowie der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der Krankenkassen, der Ärztekammern Westfalen- Lippe und Nordrhein, der Kassenärztlichen Vereinigung und Mitarbeiter des Institutes für Medizinische Informatik und Biomathematik der Universität Münster beteiligt.

 

Ein aus Eigenmitteln finanziertes IT-Vorprojekt des Palliativnetzes Bochum konnte laut Althoff bereits aufzeigen, wie durch den Einsatz einer elektronischen Patientenakte die Versorgung und Koordination optimiert werden kann. Aufbauend auf den positiven Erfahrungen aus Bochum sollen nun in dem geförderten Projekt die Weichen für ein Pilotprojekt mit bundesweitem Modellcharakter für die Anwendung modernster Informations- und Kommunikationstechnologien in Palliativnetzen gestellt werden.

 

In Münster wurde jetzt ein Fachbeirat gegründet, der die Entwicklung eines quelloffenen Lastenhefts betreuen soll. „Im Vordergrund steht dabei die Frage, welche Berufsgruppe welche Daten dokumentieren und verarbeiten soll und welche Anforderungen die einzelnen Beteiligten an ein solches System haben. Das Credo dabei lautet: Dokumentiere so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“

 

Der Fachbeirat besteht aus verschiedenen Experten mit unterschiedlichen Erfahrungen und Arbeitsschwerpunkten, aber dem gemeinsamen Interesse, eine gute, sichere und vor allem praxisnahe Patientendokumentation umzusetzen. Er soll allen interessierten Personen und Firmen die Informationen zur Verfügung stellen, die die Anforderungen eines Dokumentationssystems für die ambulante Palliativversorgung beschreiben und als Orientierungshilfe für Versorger und Softwareanbieter dienen können.

 

Dazu Projektkoordinator Tobias Harzt vom Institut für Medizinische Informatik und Biomathematik der Universität Münster: „Da eine solche Umsetzung nicht nur theoretisch beschrieben werden soll, sind vor allem Firmen aufgefordert, sich als Partner zu beteiligen und dann bei den Versorgern zu testen und zu evaluieren. Ein zeitnaher Austausch mit interessierten Softwareanbietern ist vorgesehen.“




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