16.02.12

EU-Projekt: Fraunhofer IBMT entwickelt IKT-gestütztes Lebersystem und Telemedizinplattform



Im EU-Projekt »d-LIVER« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) zusammen mit europäischen Partnern ein IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie)-gestütztes Lebersystem, das eine medizinische Beobachtung und Überwachung von Patienten mit chronischen Lebererkrankungen auch außerhalb eines Krankenhauses erlaubt. Das Gesamtsystem besteht im Wesentlichen aus einem zellbasierten Leberunterstützungssystem, einer häuslichen Monitoring-Plattform und einem übergeordneten Informationssystem für die telemedizinische Versorgung von Lebererkrankten.

 

Ziel des im Oktober 2011 angelaufenen vierjährigen Forschungsvorhabens ist es, eine sichere und kostengünstige Systemplattform für die ambulante, kontinuierliche, kontextsensitive, multi-parametrische Überwachung und Therapie von Patienten mit chronischem Leberversagen bereitzustellen, die zu einer höheren Qualität der medizinischen Behandlung führt und zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt. Damit sollen Häufigkeit und Dauer von bislang nötigen Krankenhausaufenthalten bei Leberpatienten reduziert und so Kosten für das Gesundheitssystem gesenkt werden.

 

Im Gegensatz zu bereits existierenden Leberunterstützungssystemen überwacht das »d-LIVER«-System nicht nur Patientenparameter, sondern auch den Zustand der Zellen des Leberunterstützungssystems und führt Versorger und Patienten durch die Therapie.

 

Das Ziel des Projekts »d-LIVER« ist die Entwicklung eines bio-artifiziellen Leberunterstützungssystems, welches für kontinuierliche aber zeitlich begrenzte Blutwäsche- und Leberersatzsitzungen am Point-of-Need, z. B. im Krankenhaus oder auch beim Patienten zu Hause, einsetzbar ist. Für den zuverlässigen Einsatz des Systems im ambulanten Bereich ist es essenziell, das System und insbesondere den Patienten während der Leberdialyse und zuhause unter Einsatz neuartiger Sensoren und Informations- und Kommunikationstechnologien zu überwachen.

 

Im Projekt »d-LIVER« werden Bioreaktoren mit lebenden Leberzellen eingesetzt, die im Gegensatz zu rein technischen Adsorptions- oder Filtertechniken, die Entgiftungsfunktion und gleichzeitig auch die Synthesefunktion der Leber erfüllen können. Dazu werden Methoden für ihre Gewinnung und Kultivierung im großen Maßstab erforscht und Sensoren für die Überwachung ihrer Vitalität und Funktionalität im Bioreaktor entwickelt. Ferner soll ein neuartiges Informationssystem zum Leberpatientenmanagement entwickelt werden, das nicht nur die Therapiekontrolle und Überwachung des Patienten erlaubt, sondern Behandlungsrichtlinien modelliert, Arzt und Patient durch die Behandlung führt und mit echter Entscheidungshilfe und mit Gesundheitsratschlägen unterstützt.

 

In dem von der Newcastle Universität (UK) koordinierten und von der EU mit 10,9 Millionen Euro kofinanzierten Vorhaben »d-LIVER« arbeiten die Abteilungen »Telematik & Intelligente Gesundheitssysteme«, »Biomedizinische Mikrosysteme« und »Zellbiologie & Angewandte Virologie« des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik mit 13 weiteren Partnern aus Europa zusammen. Das Fraunhofer IBMT leitet die Arbeitspakete zur Entwicklung des bio-artifiziellen Leberunterstützungssystems und des Leberpatientenmanagementsystems. Kernpartner des IBMT sind auf deutscher Seite die Charité Universitätsmedizin Berlin sowie die Firmen Stem Cell Systems GmbH und STAR Healthcare Management GmbH.

 

Weitere Informationen zu d-LIVER unter www.d-liver.eu.

 




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