02.12.11

Social Media + Gesundheitsversorgung

Soziale Netzwerke im Internet spielen im Privat­leben inzwischen eine große Rolle. Auch im Gesundheitswesen gewinnen solche Dienste zunehmend an Bedeutung. Die Zukunft mit Anwendungen zur Unterstützung einer integrierten Versorgung hat begonnen.



Soziale Kontakte über Facebook, XING oder Google+ pflegen – das gehört für viele Menschen zum Alltag. Auch im Gesundheitswesen halten webbasierte soziale Netzwerke zunehmend Einzug. Oft sind sie ein Instrument der Kundenbindung für Ärzte und Krankenhäuser. Forschungsprojekte sowie bereits implementierte Anwendungen zeigen zudem weitere Einsatzmöglichkeiten webbasierter sozialer Netzwerke insbesondere zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. 

 

Facebook light

Mal eben mit den Enkeln chatten oder Freunde aus vergangenen Zeiten finden – auch Senioren wollen Teil der Social-Media-Gemeinde werden. Doch die Benutzeroberflächen von Facebook und Co. sind für sie häufig zu kompliziert. Wissenschaftler der Stiftung für wissenschaftliche und industrielle Studien am Norwegischen Institut für Technologie (SINTEF) entwickeln deshalb derzeit ein „Facebook light“ für ältere Menschen. Das Besondere ist eine übersichtlich aufgebaute, einfach bedienbare Plattform. So einfach, dass selbst demenzkranke Menschen mit diesem Programm umgehen können sollen. 


Die Forscher am SINTEF haben bereits untersucht, wie demenzkranke Menschen mit Werkzeugen zur webbasierten Kommunikation umgehen. Mit einem digitalen Tagebuch für persönliche Fotos oder Zeitungsartikel haben sie positive Erfahrungen gemacht: Der Umgang mit diesen Medien stärkte die sozialen Kontakte der Patienten. Das  wiederum steigerte ihre Lebensqualität. Die aktuelle Studie will klären, wie das „Facebook light“ die Betreuung demenzkranker Menschen unterstützen kann.

 

Integrierte Versorgung via Social Media

In Deutschland unterstützen soziale Netzwerke schon heute die integrierte Versorgung. AmbulanzPartner.de ist eine geschützte Online-Plattform für das Case Management von Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen. Prof. Dr. Thomas Meyer, Neurologe am Virchow-Klinikum der Berliner Charité, hat das Portal entwickelt. Die Plattform erinnert an Facebook, nur besteht der „Freundeskreis“ eines Patienten hier aus Ärzten, Sanitätshäusern, Physiotherapeuten und Pflegediensten, die ihn betreuen. Sie tauschen Informationen zum Hilfsmittel- und Unterstützungsbedarf aus. Ein Pflegeberater der AmbulanzPartner GmbH betreut diesen Informationsaustausch.

 

Stellt ein Arzt etwa eine Versorgungsanfrage für einen Patienten, erfasst der Pflegeberater zusätzlich zu den medizinischen Daten soziale Faktoren, die bei der Versorgung relevant sind. All diese Informationen werden dann von ihm bei der Auswahl passender Hilfsmittelversorger berücksichtigt. Seit April 2011 werden bereits 750 Patienten aus Berlin, Brandenburg und dem Ruhrgebiet über die Plattform betreut. „Die Beteiligten müssen einen Nutzen davon haben, Daten in dem Portal einzutragen“, sagt Prof. Meyer. Nur so könne ein solches unterstützendes Werkzeug dauerhaft Erfolg haben.

 

Krank - aber gut vernetzt

Auch Krankenhäuser nutzen soziale Netzwerke längst nicht mehr nur als Marketinginstrument. Der Kontakt zum Patienten steht im Vordergrund. Das St.-Johannes-Hospital in Dortmund nutzt Facebook, um Patienten ein Beschwerdemanagement zu ermöglichen. „Die Kommunikation mit dem Patienten erfolgt interaktiv und schnell“, sagt Gundula Stroetzel, Sprecherin des Hospitals. 

 

Die Projekte zeigen: Webbasierte soziale Netzwerke bieten die Möglichkeit, eine integrierte Versorgung zu unterstützen und die Versorgung effizienter zu organisieren. Neben dem kommerziellen Nutzen profitieren auch die Patienten und ihre Versorger von diesen Netzwerken. Vielleicht heißt es schon bald: „Krank – aber online und gut vernetzt!“

 

Text: Dr. Kerstin Denecke, Informatikerin an der Universität Hannover




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