25.06.10

RIS, KIS & PACS

Das Krankenhaus hat ein Informationssystem. Ein zusätzliches System hat meist noch die Radiologie. Und es gibt auch ein Archivierungs- und Kommunikationssystem für die digitalen Bilddaten. Ist das Nebeneinander der Systeme wirklich zukunftsfähig? Brauchen wir mehr Miteinander? Oder einen Systemwechsel? Eine Kontroverse.



Dass Daten in Gesundheitseinrichtungen überwiegend digital erzeugt, versandt, angesehen und gespeichert werden, ist heute fast selbstverständlich geworden. Um das zu gewährleisten, gibt es eine große Zahl mehr oder weniger spezialisierter Informationssysteme. Bei dieser Vielfalt fragt sich der kritische Beobachter, ob so viele unterschiedliche Systeme nötig und gesund für eine Einrichtung sind. Am vehementesten entzündet sich die Frage wohl im Spannungsfeld von KIS, RIS und PACS. Ist das Nebeneinander eine organisatorische und technische Notwendigkeit oder lediglich der historischen Entwicklung geschuldet? Können die Aufgaben des RIS heute bereits anteilig von KIS und PACS übernommen werden oder sind dann die reibungslosen Abläufe gefährdet? Hier gibt es einen Widerstreit der Meinungen – nicht nur bei den IT-Anbietern.

 

Aufgaben der einzelnen Systeme

KIS

Kernaufgabe des Krankenhaus-Informationssystems (KIS) ist die Unterstützung der administrativen Prozesse einer Klinik, primär in der Planung, der Abrechnung und dem Controlling, aber auch der Pflegedokumentation und dem Auftragsmanagement (Order Entry). Damit ist das KIS das Patienten führende System.

RIS

Das Radiologie-Informationssystem (RIS) übernimmt das Patientenmanagement in der Radiologie inklusive Organisation, Dokumentation, Abrechnung und Statistik. Es steuert alle Abläufe in der Abteilung. Eine zentrale Aufgabe ist die Erzeugung einer Modality-Worklist zur Abarbeitung von Röntgenanforderungen und optimalen Auslastung der Geräte. Darüber hinaus organisiert das System den Prozess der Befundung.

PACS

Das RIS steuert das digitale Bilddatenarchivierungs- und -kommunikationssystem (PACS). Dessen Kernaufgaben liegen im Handling aller anfal­lenden Bilder und Befunde. Früher war das auf die radiologischen bildgebenden Verfahren beschränkt, heute werden zunehmend weitere Verfahren integriert. Die gesetzeskonforme Archi­- vierung ist eine weitere zentrale Funktion im PACS.

 

Braucht es noch einzelne Systeme?

Wenn man sich die Aufgaben von KIS, RIS und PACS vor Augen führt, stellt sich die Frage, ob es wirklich drei Einzelsysteme braucht. Oder können KIS und PACS die Aufgaben eines RIS übernehmen? Schließlich verfügen KIS in der Regel über Radiologie-Module.Theoretisch ja, sagt Dr. Marco Eichelberg, Forscher beim OFFIS-Institut für Informatik: „Ich sehe hier keine technischen Probleme, die dies verhindern, sondern eher die Problematik, dass die Optimierung eines Systems auf die Bedürfnisse einer Abteilung ein Prozess ist, der Fachleute und viele Jahre Zeit erfordert. Mein Eindruck ist, dass die KIS-Anbieter diesen Aufwand nicht in dem Maße in ihre Entwicklungen hineinstecken, wie dies die RIS-Anbieter zwangsläufig tun müssen.“

 

Entscheidend ist der Workflow

Alles eine Frage der Ressourcen? Wohl eher des klinischen Workflows, wie Lothar Hoheisel, Geschäftsführer von ITZ Medicom, meint: „Wenn ein Krankenhaus mehr Wert auf den Gesamtworkflow der Patientenversorgung legt als auf den Ablauf im Teilbereich Radiologie, ist ein RIS nicht nötig.“ Das geht am ehesten in kleineren Einheiten mit wenigen Bildgebern und radiologischen Untersuchungen. Jürgen Roth, Leiter Vertrieb und Marketing bei medavis, formuliert es provokant: „Radiologie und Labor sind essentiell für die Performance eines Krankenhauses. Falsche Kompromisse bei der Leistungsfähigkeit wirken sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit aus.“

Gerade große Institutionen mit vielen Modalitäten, Schichtdiensten und wechselnden befundenden Ärzten können den Workflow und die radiologische Dokumentation kaum ohne ein Spezialsystem effizient abbilden. „Wenn dazu radiologische Leistungen auch nicht im KIS abgerechnet werden können, ist ein RIS unverzichtbar“, so Rolf Pickelmann, Vertriebsleiter von GEMED. Dazu hieße der Verzicht, Einbußen in der Geschwindigkeit der Abläufe hinzunehmen. 




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