Mobil & Digital
Immer mehr Kliniken bauen ein internes Funknetz (Wireless LAN) auf – Voraussetzung für mobile Anwendungen im Bereich der Pflege und Visite. Die Beschaffung der tragbaren Endgeräte erfordert aber eine gute Planung. Denn nicht jede Geräteklasse eignet sich gleich gut für jede Anwendung im Krankenhaus.
Die mobile Visite ist ein wesentlicher Schlüssel auf dem Weg zur digitalen Dokumentation in den Kliniken. Mit der mobilen Visite können Arzt oder Pflegepersonal mithilfe mobiler Geräte wie zum Beispiel Laptop, Tablet-PC oder PDA direkt am Krankenbett des Patienten relevante Informationen aus den Klinikinformationssystemen (KIS) und anderen klinischen Datenquellen abrufen oder an diese weitergeben.
WLAN hält Einzug in deutschen Kliniken
Dieser Herausforderung, die mobile Visite in die klinische Routine einzuführen, stellen sich aktuell zahlreiche Kliniken. Die Ansätze hierzu könnten differenter nicht sein. Hat man sich zwischenzeitlich von „Kommunikationsmedien“, welche lediglich als Eingabemedium funktionieren und auf das sporadische Anstecken an eine Docking-Station angewiesen sind, wegen der fehlenden Aktualität der Daten großteils verabschiedet, so arbeiten heute viele Kliniken an der raschen und sicheren Ausstattung ihrer Gebäude mit Wireless LAN. Dadurch erreichen sie die notwendige Mobilität und Aktualität der Daten.
Allerdings zeigen hier erste Hersteller und Lieferanten von WLAN-Systemen, dass die Anforderungen an solche Netze (Daten, Voice, Video, Multimedia) sie deutlich überfordern, weswegen einige WLAN-Projekte ins Stocken gerieten. Neben einem stimmigen Gesamtkonzept von organisatorischen Abläufen, Funktionalität und Benutzeroberfläche der Software sind qualifizierte Hardware und sichere Netzwerktechnik erforderlich, um den Praxisanforderungen zu genügen und damit eine ausreichende Anwenderakzeptanz zu erreichen. Eine echte Herausforderung!
Hohe Erwartungen an mobile Geräte
An die Geräte werden eine Vielzahl von Anforderungen und Erwartungshaltungen gestellt. Diese Anforderungen steigen mit der Anzahl der implementierten Anwendungen von mobiler Pflege und Visite. So kommt der richtigen Auswahl der Endgeräte ein wichtiger Stellenwert zu. Bei der Anschaffung der mobilen Endgeräte müssen zum Beispiel die folgenden Kriterien beachtet werden: Anschaffungskosten, Wartungskosten, Handhabung, Beständigkeit gegen Desinfektionsmittel und Robustheit. Das sind nur einige Punkte, die aber sehr entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung der gesteckten Ziele sind.
Welche Endgeräte zum Einsatz kommen, hängt vom Verwendungszweck ab. So kann ein kleines Gerät eine sinnvolle Ergänzung sein für Prozesse, bei denen nur wenige Daten erfasst und dargestellt werden müssen. Muss das medizinische Personal dagegen mit einer Vielzahl von Daten umgehen oder geht es um grafische Abbildungen, sind kleine Endgeräte oft schlecht bedienbar, oder die Darstellung entspricht nicht den Erfordernissen. Hier bieten sich Tablet-PC und Laptops als Alternative an.
Die richtige Wahl
Für die mobile Visite ist die Gestaltung der grafischen Benutzeroberfläche (Graphical User Interface, GUI) sehr wichtig. Es ist naheliegend, dass als mobiles Gerät ein Laptop oder ein Tablet-PC für Medizin und Pflege zum Einsatz kommen sollte. Damit kann bei vielen KIS-Anbietern die Realisierung der gleichen GUI wie an der Feststation (Workstation) gewährleistet werden. Die individuelle Gestaltung der Bedienoberfläche und -elemente bleiben damit unbenommen.
Smartphones oder Personal Digital Assistants (PDA) erfüllen diesen Anspruch nicht und eignen sich eher für logistische Prozesse wie Patiententransport, Küche, Apotheke, Betten oder Geräte.Tablet-PC oder Laptop unterstützen als vollständige mobile Arbeitsplätze das Visitegespräch mit den Patienten, Untersuchungen, die Rücksprache mit Kollegen oder die Recherche in medizinischen Datenbanken bei besonders komplizierten Fällen.
Zwei Trends zeichnen sich ab: Tablet-PC und Visitewagen
In der Ausrüstung mit den mobilen Geräten festigen sich aktuell zwei Trends: Zum einen der Tablet-PC, zum anderen der „Visitewagen“. Für Medizin und Pflege ist die Darstellung von beispielsweise Kurven sehr wichtig. Geräte mit kleinen Displays (Smartphon, PDA) eignen sich hierzu nicht. Weiter sind die Eingaben der Patientendaten während der Visite sehr wichtig. Auch hier sind Tablets oder Laptops deutlich im Vorteil. Aber auch die immer weiter zunehmende Verwendung von Terminal-Server-Lösungen spricht gegen den Einsatz von PDA und für den Einsatz von Tablet oder Laptop.
Tablet-PC
Tablet-PC für den Einsatz in Kliniken gibt es zwischenzeitlich von zahlreichen Herstellern. Nahezu alle Geräte zeichnen sich durch hohe Akkulaufzeiten, Robustheit bei doch geringem Gewicht (rund1,5 Kilogramm), gutes Handling und ganz wesentlich – durch ein günstiges Hygieneverhalten aus. Fast alle Geräte sind komplett geschlossen und arbeiten ohne Lüfter und Laufwerke. Besonders interessant ist die Nutzung von Tablets als Thin-Client. Hier sind auf dem Gerät keinerlei Daten gespeichert, sodass eine widerrechtliche Nutzung der Geräte gegenüber einem Notebook oder PC nochmals deutlich erschwert ist.
Ein gutes Beispiel für einen geeigneten Tablet-PC ist auch der Mobile Clinical Assistant (MCA), beispielsweise der Motion C5 (Motion Computing, Inc.). Geräte dieser Klasse haben eine Reihe von Komponenten wie Barcodeleser, Kamera oder Schnittstellen integriert und lassen sich auch noch sehr gut erweitern, etwa mit einem RFID-Lesegerät oder einer Handschrifterkennung. Der Motion C5 ist ein für Kliniken geeignetes Gerät, das speziell für diesen Einsatz entwickelt wurde. Sein robustes, desinfizierbares Gehäuse, die ergonomische Form sowie die integrierten Funktionen ermöglichen ein produktiveres Arbeiten, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die „5 Richtigen“ der Patientenbetreuung(richtiger Patient, richtige Zeit, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtiger Weg) eingehalten werden. Ausgangsbasis für die Entwicklung des C5, der die zuverlässige und automatisierte Verwaltung von Patientendaten direkt an Ort und Stelle ermöglicht und auf der Intel® Health-Technologie aufbaut, waren Anregungen der an der Entwicklung beteiligten Klinikärzte und Pflegekräfte.
Visitenwagen
Alternativ oder ergänzend kommen sogenannte Visitenwagen zum Einsatz. Zahlreiche Hersteller wie etwa März Network Services, GK-zwo, MeDiSol oder LEAN haben sich dieser Aufgabe angenommen und sie unterschiedlich gelöst. Teilweise mit umgebauten Laptops oder PC kommen die Wagen mit Monitor, Tastatur und Maus zum Einsatz. Nicht immer entsprechen diese Zusammenstellungen den Anforderungen der Hygiene, weswegen ein Hygienetest vor Anschaffung der Geräte ratsam erscheint.
Allen gemeinsam ist die Nutzung im WLAN mit den unterschiedlichen Standards (802.11 a, b, g, n) und hohe Akkulaufzeiten für einen langen, unabhängigen Betrieb. Für den „kurzen Gang“ zum Patienten sind diese „Fahrzeuge“ eher ungeeignet. Die Stärke der Visitenwagen liegt – wie der Name schon sagt – in der Nutzung während der Visite. Neben der aktuellen Information für Arzt und Pflege können hier auch Befunde und Ergebnisse direkt mit dem Patienten oder dessen Angehörigen besprochen und demonstriert werden. Im Zweifelsfall haben Ärzte die Möglichkeit, beispielsweise bei der Auswertung von digitalen Ultraschall- oder Röntgenbildern einen Facharzt einer anderen Abteilung hinzuzuziehen.
Schneller Zugriff erleichtert Zusammenspiel im Klinikalltag
In einem Notfall können wenige Sekunden nachdem beispielsweise der Labor-Automat die Werte für Blutgerinnung und Kreatin bestimmt hat, bereits die Informationen auf dem Tablet-PC des Arztes vorliegen und eine Analyse begonnen werden. In Verbindung mit einem EKG aus der Notfallaufnahme oder weiteren kurzfristig bereitstehenden Informationen, gesendet über das Wireless LAN, kann so in kürzester Zeit eine Diagnose gestellt werden. Auch bei unklaren Indikationen kann direkt vom Krankenbett aus eine Online-Recherche in medizinischen Datenbanken erfolgen. Auch das interdisziplinäre Zusammenspiel unter den Fachabteilungen wird so drastisch verbessert.
In vielen Häusern läuft es deshalb darauf hinaus, dass für die Medizin und Pflege und deren „Standardaufgaben“ Tablet-PC beschafft werden. Für die Visite wiederum beschaffen die Kliniken Visitenwagen, welche ein größeres Leistungsspektrum als die Tablets bieten. Für den kaufmännisch Verantwortlichen in der Klinik ist diese Doppelinvestition zunächst ein Horror. Jedoch wird mit der Nutzung dieser Geräte sehr schnell deutlich, dass sie sich über die Qualität und Zeit schnell amortisieren.
Gute Gründe für den Einsatz mobiler Geräte
Die Vorteile liegen klar auf der Hand:
- Mobile Geräte verbessern die Betreuungsqualität und den medizinischen Entscheidungsprozess.
- Die Patienten-Dokumentation wird verbessert und liegt zeitnaher vor.
- Die mobile Visite erlaubt zeit- und ortsunabhängig den unmittelbaren Zugriff auf sämtliche medizinischen und administrativen Daten des Patienten.
- Effizienzsteigerung und Zeitersparnis bei Ärzten und beim Pflegepersonal. Die Wartezeiten für den Patienten und für das medizinische Personal werden verkürzt oder vermieden.
- Enorme Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit (Zweitmeinung, Urteil durch Facharzt).
- Online-Recherchen bei unklaren Indikationen in entsprechenden medizinischen Datenbanken sind zeit- und ortsunabhängig möglich. Geringere Fehleranfälligkeit und Wartezeiten durch synchronisierte Prozesse.
- Die mobile Visite verbessert die Qualität der Behandlung und verringert redundante oder unvollständige Untersuchungen und Telefonate.
- Durch die zentrale Speicherung der Daten entfällt auch die Notwendigkeit, sensible Patientendaten lokal zu speichern. Außerdem gewährleistet ein strenges Management der Zugriffsrechte per „Smart Card“ und PIN die Sicherheit der Patientendaten.
Text: Bernd Greiss
Aus den Unternehmen
«Der Doktor hat jetzt Zeit. Bitte klicken Sie hier.» In Großbritannien lassen sich immer mehr...
Oer-Erkenschwick. Eine Stadt will schlanker werden. Heinz Funke auch. Der 63-Jährige kämpft schon...
In Deutschland, so ein am Wochenende erfolgter Warnruf der Bundesärztekammer (BÄK) und der...
Nachrichten für den CIO
-
RSS-Feed
E-HEALTH-COM News






