02.12.11

MedInform-Konferenz "Homecare: eine ambulante Perspektive? - Einflussfaktoren und Zukunftsszenarien"
1.12.2011

Demografischer Wandel stärkt Rolle von Homecare



In einer alternden Bevölkerung wird der Stellenwert von Homecare weiter steigen. Das war das Fazit der MedInform-Konferenz "Homecare: eine ambulante Perspektive? – Einflussfaktoren und Zukunftsszenarien" mit rund 50 Teilnehmern am 1. Dezember 2011 in Bonn. MedInform ist der Informations- und Seminarservice des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). "Die Gesellschaft und die Homecare-Branche müssen sich auf tiefgreifende Veränderungen einstellen. Die finanziellen Ressourcen der Krankenversicherung sind begrenzt und den Ärzten und Pflegekräften fehlt qualifizierter Nachwuchs", erklärte Wulf-Diethardt Rieck von pfm.

 

Die Experten waren sich einig: Homecare muss eng mit Partnern im Versorgungsprozess zusammenarbeiten, um neue Zukunftsperspektiven für ein leistungsfähiges und wirtschaftliches Gesundheitswesen eröffnen zu können. Astratech-Geschäftsführer Dr. Jörg Nosek stellte das Konzept standardisierter Behandlungspfade vor: jeder Leistungserbringer übergibt im Behandlungspfad an definierter Stelle mit definierter Qualität. Die medizinische Verantwortung muss beim Arzt, die ökonomische Verantwortung bei der Krankenkasse liegen.



"Homecare versorgt flächendeckend Patienten und Anwender mit Hilfsmitteln oder enteraler Ernährung zu Hause oder in Pflegeheimen. Dabei wird dem Grundsatz 'ambulant vor stationär' Rechnung getragen", so Jana Künstner, Homecare-Expertin des BVMed. Homecare habe dabei auch eine volkswirtschaftliche Dimension: "Die Autonomie von Patienten, Anwendern und Nutzern wird gefördert und ermöglicht dadurch ein selbstbestimmtes Leben. Chronisch Kranke und deren Angehörige nehmen schneller wieder am Arbeitsleben teil." Bei den rechtlichen Rahmenbedingungen muss sich die Branche auf weitere Änderungen einstellen. "Die Delegation von ärztlichen Leistungen, das neue Agnes-Modell, die Regelungen im Versorgungsstrukturgesetz: Homecare muss sich weiter dem Markt anpassen und verändern“, so Rechtsanwalt Peter Hartmann.

Jana Künstner, Leiterin des Referats Homecare beim BVMed, beschrieb Homecare als "Versorgung des Patienten zu Hause oder im Pflegeheim mit erklärungsbedürftigen Hilfsmitteln, Verband- und Arzneimitteln durch medizinisches Fachpersonal im Rahmen einer ärztlichen ambulanten Therapie". Homecare verbindet ein Produkt mit der notwendigen Dienstleistung. Typische Bereiche von Homecare sind die enterale und parenterale Ernährung, Stoma- und Inkontinenzversorgung, moderne Wundversorgung, Infusions-und Schmerztherapie, Dekubitusprophylaxe und Tracheostoma-und Laryngektomie.

 

Künstner betonte, die Branche habe sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland entwickelt. „Mit unserer langjährigen Erfahrung in effizienter Versorgung und Schnittstellenmanagement wollen wir die Politik dabei unterstützen, das Gesundheitssystem effizienter zu machen und hierfür die richtigen Anreize zu setzen“. Leistungserbringer versorgen Patienten mit dem entsprechenden Produkt und den dazugehörenden Dienstleistungen. Der Leistungsinhalt bestimmt sich nach der Verordnung des Arztes und dem Vertrag mit der Krankenkasse. Die Vergütung bestimmt sich nach der vertraglichen Vereinbarung mit der Krankenkasse. Dienstleistungen werden nicht gesondert vergütet, sondern mit dem Produktpreis abgegolten.



Wulf-Diethardt Rieck, Senior Consultant bei der pfm medical AG in Köln, referierte über die Einflussfaktoren der nächsten fünf Jahre auf den Homecare-Markt. Der demografische Wandel wird einen starken Einfluss auf Homecare haben. Menschen werden älter und gesünder. Die Pflegebedürftigkeit wird zunehmen. Sind es heute noch 2,2 Millionen Pflegebedürftige, so werden 2050 4,2 Millionen Menschen eine Versorgung benötigen. Gleichzeitig gibt es weniger niedergelassene Ärzte. Rieck machte darauf aufmerksam, dass die Gesetzesregelung vorsehe, die häusliche Versorgung als absoluten Schwerpunkt zu betrachten.

 

"Pflegende Angehörige müssen eine besondere Aufmerksamkeit bekommen und gut angeleitet werden, da sie ein hohes Maß an pflegerischer Verantwortung in der Gesellschaft tragen", erklärte Rieck. Außerdem solle die ambulante Pflege qualitativ erweitert und ausdifferenziert werden, um den Anforderungen einer Gesundheitsversorgung in einer immer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden. Als weiteren Einflussfaktor auf den Homecare-Markt nannte Rieck die psychische Gesundheit. "Die psychosoziale Versorgung von Menschen wird eine immer wichtigere Rolle spielen. Burn-out und Depression werden häufiger und machen einen großen Anteil der stationär behandelten Patienten aus. Darauf muss sich die Homecare-Branche einstellen."




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