Einweiserportale
Vor ein, zwei Jahren redete plötzlich jeder zweite Klinikchef über Portale als Allzweckwaffe im Kampf um DRGs. Dann wurde es still um das Thema. Viele Projekte dümpeln so vor sich hin. An einigen Orten sind Portale jedoch nach wie vor sehr lebendig. Sie werden sogar weiter ausgebaut.
Als am Universitätsklinikum Freiburg im Jahr 2005 die Idee aufkam, ein Einweiserportal zu entwickeln, hatte die Klinikleitung eine umfangreiche Vision: Niedergelassene Ärzte sollten auf Befunde zugreifen. Stationäre Einweisungen und ambulante Sprechstundentermine sollten elektronisch buchbar sein. Und außerdem sollte eine Informationsplattform im Sinne eines Fortbildungsangebots an die Niedergelassenen aufgebaut werden.
Keine hohe Akzeptanz zu Beginn
Weil nicht alles auf einmal geht, ließ man in einem ersten Schritt zuweisende Kardiologen über ein Webportal auf Arztbriefe und Herzkatheterbefunde ihrer eingewiesenen Patienten zugreifen. „Die Akzeptanz war allerdings nicht besonders hoch. Das lag zum einen daran, dass die Ärzte nicht noch ein zusätzliches IT-System nutzen wollten. Zum anderen bringen die Patienten gerade bei den Kardiologen ihre Befunde meist ohnehin mit, sodass der Zusatznutzen nur begrenzt war“, sagt Dr. Holger Pschichholz, für das Portal zuständiger Softwareentwickler und Projektleiter am Universitätsklinikum Freiburg. Letztlich habe nur ein einziger Zuweiser das Portal wirklich regelmäßig genutzt. Vor zwei Jahren wurde es eingestellt.
Startschuss mit Online-Terminbuchung
Entmutigen ließ man sich dadurch nicht: Als vor einiger Zeit die Augenklinik anfragte, ob man niedergelassenen Ophthalmologen nicht die Möglichkeit einer Online-Terminbuchung anbieten könne, wurde das Portalthema wieder aktiviert. „Die Praxen können zusammen mit dem Patienten Termine ausgesuchter Ambulanzen einsehen und direkt buchen“, so Pschichholz. Das Besondere ist, dass die Portalbuchung gleich mit der internen Terminplanung gekoppelt wurde, sodass auch innerhalb der Klinik die notwendigen Ressourcen verplant sind und eine echte Prozessunterstützung bei der Einweisung erfolgt. Auf der anderen Seite verlässt der Patient seine Augenarztpraxis mit einer gedruckten Terminbestätigung und zusätzlichen Hinweisen.
Die – wie üblich in Freiburg – selbst programmierte Lösung macht diese Integration möglich: „Meines Wissens sind wir bisher die einzigen, die diese Verbindung aus Terminbuchung und internen Ressourcen in dieser Form geschafft haben. Mit 13 angebundenen Praxen ist das Ganze zwar ein kleines Projekt. Aber ich würde schon sagen, dass es ein technisches Erfolgsmodell ist. Der Service wird rege genutzt. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist es bisher allerdings ein Zuschussgeschäft.“ Seitens der IT-Abteilung gibt es prinzipiell die Bereitschaft, die Lösung weiter auszurollen. Übergestülpt werden soll sie aber niemandem: „Nur wenn der Bedarf da ist, werden die Lösungen auch genutzt. Das ist sicher auch eine Lektion aus dem ersten Teil unseres Portalprojekts“, so Pschichholz.
Weitere Anwender von Portallösungen
Am Kreiskrankenhaus Wörth an der Donau kam das Thema Portallösung im Sommer 2010 auf den Tisch. Weil das 120-Betten-Haus mit einem systema-KIS arbeitet, fiel die Auswahl der Lösung relativ leicht. Installiert wurde Jesaja.net von Ispro, wie systema eine CompuGroup-Tochter. „Im Moment stellen wir Diagnosen, Prozeduren, Labordaten und Befunddokumente zur Verfügung“, sagt IT-Systemadministrator Christian Pritschet. Die Nutzerzahl ist derzeit noch recht überschaubar: „Wir sind unter zehn“, so Pritschet, der plant, das Angebot ab nächstem Jahr offensiver bekannt zu machen. Außerdem sollen demnächst auch Röntgenbilder zur Verfügung stehen, was, so die Hoffnung, die Akzeptanz weiter steigert.
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