4. World of Health IT 2010 (WoHIT)
15.-18.03.2010 in Barcelona
Der neue Kommissar geht um
Zum ersten Mal waren in Barcelona die Europäische High Level Konferenz und die World of Health IT Conference & Exhibition (WoHIT) gemeinsam am Start. Und auch wenn hinsichtlich Besucherzahlen und Qualität von Ausstellung und Programm noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen, dominierte bei vielen der Eindruck, dass hier ein paneuropäisches Veranstaltungsformat mit Zukunft gefunden wurde. Der Autor schätzt die Teilnehmerzahl auf etwa 2000, eine im Vorfeld zirkulierende Teilnehmerliste hatte 1500 Einträge, die Hälfte davon Aussteller.
Neues EU-Personal
Wer die Europäischen eHealth-Konferenzen der letzten Jahre miterleben durfte, der wusste, was ihn erwartete. Da waren die immer eindrucksvollen Videogrüße der Kommissarin Viviane Reding, der selbst schnödeste Videokonferenztechnik nichts von ihrer enormen Ausstrahlung nehmen konnte. Da war Gérard Comyn, Leiter der Sektion ICT for Health bei der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien (DG INFSO), mal der zerstreute Intellektuelle, mal der schneidende Kritiker nationaler und gerne auch deutscher Sonderwege. Das war das Setting in Berlin 2007, in Portoroz 2008, in Prag 2009.
Diesmal war es anders. José Manuel Barroso steht einer neuen EU-Kommission vor. Zuständig für die DG INFSO ist die weit weniger telegene Kommissarin Neelie Kroes. Auch Comyn hat seinen Posten geräumt und bis auf Weiteres seinem bisherigen Stellvertreter Ilias Iakovidis das Zepter übergeben. Eine Umbruchsituation also. Doch anders als in der deutschen Politik, wo der politische Umbruch in Sachen eHealth ein noch immer nicht völlig wieder ausgefülltes Vakuum erzeugt hat, scheint Brüssel fest entschlossen, auf Kurs zu bleiben.
eHealth als Wachstumsbranche
Mit ein paar gut dosierten Daten zum finanziellen Engagement Brüssels in Sachen eHealth machte Zoran Stancic, stellvertretender Generaldirektor der DG INFSO, die angestrebte Kontinuität für alle greifbar: In 20 Jahren eHealth-Engagement habe die EU ihre finanziellen Fördermittel von anfänglich 10 Millionen Euro jährlich auf zuletzt 100 Millionen Euro jährlich verzehnfacht. „Die Europäische Kommission strebt an, diesen Weg weiterzugehen und ihre Förderanstrengungen sogar zu verstärken.“
Mehr denn je ist die Kommission von der ökonomischen Bedeutung von eHealth überzeugt: „Derzeit ist eHealth eindeutig die am schnellsten wachsende Säule der Gesundheitswirtschaft“, sagte Stancic. Er bezifferte das Volumen des globalen eHealth-Marktes auf etwa 60 Milliarden Euro. Ein Drittel davon entfalle auf Europa. Stancic betonte, dass eHealth zunehmend auch zum Treiber für Innovationen in der Medizintechnikbranche und der Pharmabranche werde. IT-Unterstützung für klinische Studien, die Einbindung von Medizintechnik in digitale Netzwerke, das waren dann auch Themen, die sich sowohl im Kongressprogramm als auch in der Industrieausstellung wiederfanden.
Gemeinsame Deklaration verabschiedet
Besonderes Augenmerk gilt bei den EU-Konferenzen immer den allenfalls semi-öffentlichen politischen Runden. Hier kann als Erfolg vermeldet werden, dass die vor einem Jahr in Prag ins Leben gerufene eHealth Governance Initiative, ein Gremium auf Ebene der Staatssekretäre der nationalen Gesundheits- und Sozialministerien, zumindest nicht versandet ist. In Barcelona fand das dritte offizielle Treffen statt, das in der Verabschiedung der Deklaration „European Cooperation on eHealth“ resultierte. Diese Deklaration kann zwar nicht als wegweisendes Dokument bezeichnet werden. Dennoch sieht die EU-Kommission allein ihr Zustandekommen als Erfolg an. Ilias Iakovidis, begabt mit der Fähigkeit für treffsichere Formulierungen, sah es so: „Die Initiative ergänzt die Bemühungen um technische Interoperabilität um ein gewisses Maß an politischer Interoperabilität.“
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