Editorial

Turbulent

Bundesgesundheitsminister Gröhe kündigt auf dem Hauptstadtkongress in Berlin ein neues eHealth-Gesetz an.


Es war ein überraschend turbulenter Sommer für die deutsche eHealth-Szene. Erst hat der Bundesgesundheitsminister kurz vor Beginn der Sommerpause auf dem Hauptstadtkongress in Berlin ein eHealth-Gesetz angekündigt, in das auch die Umsetzungen der Planungsstudie Interoperabilität einfließen sollen. Das hat den Raum geöffnet für Spekulationen, denn noch scheint unklar, was genau mit dem Gesetz geregelt werden soll. Anforderungen gibt es genug: von der Finanzierung der Telemedizin über Interoperabilitätsvorgaben bis hin zur Konkretisierung von medizinischen Anwendungen der Telematikinfrastruktur. Die Wunschliste ließe sich beliebig verlängern. Daher finden Sie folgerichtig in dieser Ausgabe gleich mehrere Beiträge zu diesem Vorhaben (Meldungen S. 7 und die Herausgeber-Kolumne S. 70) – nicht zuletzt haben sich drei ausgewiesene eHealth-Experten Gedanken dazu gemacht und formuliert, was aus ihrer Sicht besonders nottut „in Sachen Interoperabilität“ (s. S. 46 ff.).

Im Hochsommer kam dann Bewegung in den deutschen KIS-Markt: Nach der Übernahme von brightONE (ehemals Tieto) durch die Telekom Ende letzten Jahres hat Siemens sein KIS-Geschäft für 1,3 Milliarden US-Dollar an den US-Konzern Cerner verkauft, und iSOFT Health wurde von Radiomed aus Leverkusen übernommen. Damit werden die Karten auch in diesem Feld neu gemischt (s. Meldung S. 6).

A propos neu: Der Hype um Big Data ist auch im Gesundheitswesen längst angekommen. Und bei einigen scheint dabei schon Goldgräberstimmung aufzukommen. Denn die Vielfalt der Anwendungen, die Nutzen ziehen können aus der Analyse großer Datenmengen, ist unerschöpflich – von der Pozessoptimierung über Self-Quantifying-Technologien (neudeutsch für Selbstoptimierung) bis hin zu Case Management oder medizinischen Studien. „Zu Recht?“, fragt unser Kollege Philipp Grätzel von Grätz in seiner Titelgeschichte „Findungsprozesse“ und gibt einen Überblick über Wunsch und Wirklichkeit von Big Data. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

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