Editorial

Nachholbedarf


Dass eHealth-Studien in der medizinischen Öffentlichkeit breite Resonanz erfahren, ist nach wie vor selten. Im Spätsommer hat es wieder einmal eine klinische Studie geschafft, in nahezu allen großen deutschen und englischen Fachmedien rezipiert zu werden. Es ging um die Frage, ob Wearables, die unter anderem die körperliche Aktivität messen, dazu beitragen, dass ein medizinisches Abnehmprogramm erfolgreicher verläuft. Das war nicht der Fall, im Gegenteil, die Probanden in der Wearable-Gruppe verloren sogar etwas weniger an Gewicht, was zumindest einige Fachjournalisten bewog, darüber zu räsonieren, ob ein Wearable nicht vielleicht sogar schade.


Noch viel Unsicherheit bei Stellenwert von klinischen Studien
Das ist natürlich Blödsinn. Aber das Beispiel zeigt, dass es noch immer viel Unsicherheit gibt hinsichtlich der Frage, welchen Stellenwert klinische Studien im Zusammenhang mit Gesundheits-IT-Lösungen haben, und welche Studiendesigns jeweils zielführend sind. Ob die auf Seite 12 kurz vorgestellten, neuen Ideen der Zulassungsbehörden in Sachen Software als Medizinprodukt für mehr Klarheit sorgen werden, bleibt abzuwarten.

Klar ist: Gesundheits-IT-Lösungen, die Klasse II-Medizinprodukte sind, müssen erstens konsequent so genannt und zweitens rigoros evaluiert werden. Da hat die Branche noch Nachholbedarf. Bei einem Aktivitäts-Wearable wie im genannten Beispiel ist die Situation aber eine andere. Wer an ein hoch intensives Abnehmprogramm ein Wearable „anflanscht“, muss sich nicht wundern, wenn der Nachweis eines Zusatznutzens schwierig ist. Das heißt aber nicht, dass solche Tools nicht ihren Wert haben. Unterschiedliche Lösungen bedürfen unterschiedlicher Evaluierungsstrategien. „One size fits all“ hat schon bei der Telemedizin nicht funktioniert. Bei mHealth-Lösungen gilt das umso mehr.



PHILIPP GRÄTZEL VON GRÄTZ, Chefredakteur E-HEALTH-COM
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