Editorial

Von Standards


Standards sind bei E-HEALTH-COM ein Dauerbrenner. In dieser Ausgabe können wir Ihnen ein besonderes Schmankerl anbieten: Wir beerdigen einen Standard. Genau genommen beerdigen die Kassenärzte zu Ende September den Standard D2D. Wir sind live dabei, in Form eines Interviews mit dem Mann, der D2D einst ans Licht der Welt brachte, und der es jetzt wieder zu Grabe tragt – ohne Trübsal zu blasen. Muss er auch nicht, denn von D2D kann man einiges lernen, unter anderem wie IT-Anwendungen für Ärzte aussehen mussen, damit sie auch genutzt werden. D2D mag Geschichte sein, aber es war im ambulanten Sektor die erfolgreichste Telematikplattform, die das deutsche Gesundheitswesen bis dato hatte. Ob die Lektionen daraus wirklich bis in die Berliner Friedrichstraße durchgedrungen sind?

eHEALTH MADE IN GERMANY WIRD EXPORTSCHLAGER
Lernen lässt sich von D2D auch, dass es sich längerfristig nicht auszahlt, Standards außen vor zu lassen. Auch in diesem Punkt ist die Frage erlaubt, ob alle Lektionen gelernt wurden. Im deutschen Gesundheitswesen werden immer noch mehr Standards geboren als beerdigt. Ob das so gut ist? Beispiel Medikationsplan: Danny Ammon und Martin Specht berichten in diesem Heft über ihr wegweisendes Projekt in Jena, wo sie einen elektronischen Medikationsplan auf Basis von IHE umgesetzt haben. Das geht schon, wenn man will. Natürlich haben wir nicht nur Standards für Sie im Programm. Die AMG-Novelle lässt Diskussionen um die Fernbehandlung hochkochen. Sebastian Vorberg hat da eine pointierte Meinung zu. Und Big-Data-Freunden erklärt Martin Lablans, wie sich in der vernetzten klinischen Forschung Datenabfragen ohne zentrale Datensilos umsetzen lassen. Diese Technologie wird als „eHealth made in Germany“ jetzt auch exportiert. Ob das der Telematikinfrastruktur auch gelingen wird, über die Michael Lang ein Update verfasst hat, ist eher offen.

PHILIPP GRÄTZEL VON GRÄTz, Chefredakteur E-HEALTH-COM
redaktion@e-health-com.eu